Berlin : Ethik-Unterricht: Kirche kritisiert SPD

Die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg kritisiert die Beschlüsse des SPD-Landesparteitages zum Ethikunterreicht an den Berliner Schulen. Damit werde der völlig unbefriedigende Status quo fortgeschrieben, sagte Kirchensprecher Reinhard Lampe am Sonntag. Ethik/Philosophie als Pflichtfach einzuführen und Religionsunterricht weiterhin als freiwillige Ergänzung anzubieten, bedeute die Stagnation schulischer Werterziehung, sagte er. Besonders ärgerlich sei, dass die Sozialdemokraten Alternativen, die seit Jahren diskutiert würden, nicht einmal eine Test-Chance gegeben hätten.

Den von Schulsenator Klaus Böger (SPD) angeregten Modellversuch zum Werteunterricht an 25 Schulen hatten die Delegierten abgelehnt. Mit einer knappen Mehrheit von vier Stimmen sprach sich die Parteibasis außerdem dafür aus, das Abitur an den Berliner Schulen künftig bereits nach zwölf Jahren zu vergeben. Ferner soll der Sachkundeunterricht ausgeweitet werden. Statt nur 85 000 Studienplätze in der Hauptstadt zu sichern, wollen die Delegierten die Kapazitäten an den Universitäten und Fachhochschulen auf 100 000 Plätze aufstocken.

Trotz der Niederlage beim Religionsunterricht bewertete Böger das verabschiedete Sofortprogramm zur Bildungsmisere als "sehr großen Sprung". Darin wird dafür plädiert, die durch sinkende Schülerzahlen freiwerdenden Lehrstellen nicht automatisch zu streichen. In sozialen Brennpunkten und Klassen mit hohem Ausländeranteil sollen die Klassengrößen schrittweise verkleinert werden. Die Ausstattung der Schulen mit neuen Medien gelte es zu verbessern, Informatik und Medienkunde wolle die SPD als Pflichtfach. Das 500-Millionen-Mark-Programm für die Sanierung der Schul- und Sportstätten soll fortgeschrieben werden.

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