Berlin : Etwas preußisch

Lehrer Peter Detroy hat in 34 Jahren Dienst keinen Tag wegen Krankheit gefehlt. Jetzt geht er in den Ruhestand

Constance Frey

Eigentlich wollte Peter Detroy in ganz kleinem Kreise verabschiedet werden, ohne viel Aufhebens. Doch die Schulverwaltung ist ihm zuvorgekommen. Jetzt steht da Senator Klaus Böger und hält die Laudatio auf den Studienrat. Das hat Peter Detroy seinem Nachbarn in Lichterfelde zu verdanken. Der warf seinem Freund, dem Schulsenator, einen Zettel in den Briefkasten. Die Nachricht lautete: Da verlasse ein Studienrat das Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen, der nicht einen Tag krankgeschrieben gewesen sei – in mehr als 34 Jahren Schuldienst. Und Böger kündigte sich zur Verabschiedung an.

Als Peter Detroy am Mittwoch von seinem Dauerlauf rund um den Schlachtensee nach Hause kam, brach der Medienrummel über ihn herein. „Herr Böger kommt“, teilte ihm Schulleiter Bernd Romann mit. Peter Detroy musste Interviews geben und von seiner Vergangenheit erzählen, in der Schule warteten Journalisten auf ihn. „Mit meinem Nachbarn spreche ich noch“, drohte er scherzhaft an und sprach beim Festakt ins Mikrofon: „Diese Verabschiedung ist nicht ganz in meinem Sinne.“

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer hat mehrere Jahrzehnte lang unzählige Klassen in Deutsch und Sozialkunde unterrichtet. „Genetisches Glück“ nannte Böger dessen ununterbrochene Anwesenheit im Schuldienst. „Sie sind ein Vorbild, darauf können sie stolz sein.“ Seit einigen Jahren hatte Peter Detroy eine Teilzeitstelle und gab zuletzt noch 18 Unterrichtsstunden die Woche. „Man muss auch auf seine Gesundheit achten“, sagt er. Die scheint ja wirklich enorm zu sein. „Na ja, ich war schon mal erkältet, und verschlafen habe ich auch ein oder zwei Mal. Da bin ich eben unrasiert zum Unterricht gekommen.“ Sein Geheimrezept für all die Jahre ohne schwere Erkrankung: Manchmal auch Nein sagen können. Und etwas Disziplin. „Da bin ich wohl etwas preußisch.“ Offensichtlich. Denn auch beim Umzug des Oberstufenzentrums vom Ostpreußendamm nach Moabit war er unersetzlich. Weil der Betrieb in den neuen Räumen sofort weitergehen musste, sorgte er sofort dafür, dass die Drucker wieder liefen. Das machte er so gut, dass er künftig immer im ganzen Haus für Druckerschwärze, Kreide und Papier zuständig war.

Was er am meisten vermissen wird, kann Detroy noch nicht so genau sagen. Wahrscheinlich die Gespräche mit den Kollegen. „Das merkt man erst mit der Zeit.“ Die eigentliche Feier zur Verabschiedung steht Peter Detroy noch bevor. Am 13. Juni organisiert er mit drei Kollegen, die auch in den Ruhestand gehen, ein Sommerfest. „Mit etwas Glück“, sagte Schulleiter Bernd Romann, „können wir dann vier neue Lehrer einstellen.“ Der Schulsenator vernahm es und lächelte.

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