Berlin : Eulen nach Berlin

Fackellauf durch die Stadt, Figuren am Marlene-Dietrich-Platz: Berlin steht heute im Zeichen der Sommerspiele von Athen

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Berlin freut sich heute für Griechenland – aber nicht wegen der FußballEM, sondern wegen eines anderen Sportereignisses: Olympia 2004. Denn auf dem Weg nach Athen macht die olympische Flamme Station in Berlin und dreht obendrein eine große Runde durch die Stadt. Außerdem hat der Projektkünstler Ottmar Hörl seine Aktion gestartet, bei der er 10000 Plastik-Eulen nach Athen tragen lassen will. Feuer und Eulen haben allerdings – mal abgesehen vom Anlass – nichts miteinander zu tun. Der Fackellauf ist eine Aktion unter Federführung des Nationalen Olympischen Komitees, die Vögel sind von Daimler-Chrysler gesponsert.

132 Fackelläufer tragen das Feuer, das am 25. März in Olympia entzündet worden war, durch die Straßen. Unter den Trägern sind beispielsweise Claudia Pechstein, die um 13.30 die Flamme übernimmt, Henry Maske (14.30 Uhr, Alex), Katarina Witt (18.45, Potsdamer Platz). Aber auch Matthias Roeingh alias Dr. Motte macht sich auf die Socken, RTL-Moderator Peter Kloeppel und Filmemacher Völker Schlöndorff. Sie und die anderen Teilnehmer müssen etwa 400 Meter rennen, allzu viel Fitness ist also nicht vonnöten.

Start ist um 12 Uhr am Olympiastadion, Ziel gegen 19.15 am Brandenburger Tor. Zu dem Zeitpunkt soll das Olympiafest bereits seit 18 Uhr voll im Gange sein. Nach dem offiziellen Empfang für das Feuer ab 18.40 Uhr beginnt um 19.45 Uhr ein Livekonzert. Bei dem will „Popstars“-Absolvent Fabrizio den offiziellen Olympiasong trällern, und es treten verschiedene Musiker aus Griechenland auf. Anschließend wird’s weniger olympisch, es bleibt aber immer noch sportlich: Um 20.45 Uhr flimmert die Übertragung des EM-Halbfinalspiels Portugal gegen Niederlande über eine Großleinwand. Am Donnerstag reist die Flamme so ab, wie sie gekommen ist – in einem Spezialbehälter im Flugzeug. Nächste Station bei dem Weg durch Olympiastädte der Neuzeit ist Stockholm. Dann geht’s unter anderem weiter nach Helsinki, Moskau, Sofia, Istanbul und Nikosia.

Einen Tag länger sind die Plastikeulen von Ottmar Hörl zu sehen. Erst am Freitag macht die 1200-köpfige Schar die große Flatter. Die Redensart „Eulen nach Athen“ geht übrigens auf den Dichter Aristophanes zurück, der den Ausspruch in seiner satirischen Komödie „Die Vögel“ vor 2400 Jahren prägte. Darin hat er seine Heimatstadt Athen mit all ihren Schwächen glossiert. Eulen gab es damals angeblich viele in Athen. Der Vogel war das Symbol der Göttin Athene. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er sich auf die Münzen bezog, auf denen das Tier prangte.

Hörl will seine Eulen in Athen in Stadionnähe installieren. Auf die Reise machen sie sich im Gepäck von Sportlern. Die ersten, darunter der Berliner Gewichtheber René Hoch, haben schon einen Plastikvogel bekommen. Hörl, der für Großprojekte schon bekannt ist, etwa die „Dürer-Hasen“ 2003 in Nürnberg oder die Bärenskulpturen, die im Jahr 2000 die Straße Unter den Linden bevölkerten, gibt zu, „die Sache hat nicht unbedingt mit Kunst zu tun“. Tsp

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