Berlin : Euro: Ende der D-Mark: Schein tot

Heike Gläser

Mit der Euro-Umstellung erhielt Busfahrer Joachim Voigt (53) nicht nur eine neue Kasse und ausreichend Wechselgeld, sondern auch einen kleinen Baumwollbeutel mit der sinnigen Aufschrift "Endstation D-Mark". Die Restbestände an D-Mark, die die Fahrgäste bei Voigt hinterlassen, wandern in seinen kleinen Beutel - zunächst zur Aufbewahrung. Ist die Mark aber erst einmal eingesackt, dann ist sie praktisch schon verschwunden. Zumindest aus unserem Blick. Auf Nimmerwiedersehen. Wohin aber führt der letzte Gang der D-Mark-Scheine und Münzen?

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Nach Feierabend rechnet Busfahrer Voigt seine Einnahmen ab und wirft das Bargeld fein säuberlich getrennt nach Euro und D-Mark in bereitgestellte Automaten an den Betriebshofkassen der BVG. Von dort wird die alte Währung von einem beauftragten Geldtransportunternehmen abgeholt und auf das BVG-Bankkonto eingezahlt, wo der entsprechende Betrag in Euro gutgeschrieben wird. Die Banken wiederum führen die scheintoten Scheine den Landeszentralbanken in Berlin, Frankfurt (Oder) und Cottbus zu.

Nun gibt es kein Entrinnen mehr, das Ende der alten Währung naht, denn die drei Landeszentralbanken sind für die Vernichtung der Barbestände aus Berlin und Brandenburg zuständig. 5000 bis 5500 Geldpakete mit je tausend Noten werden beispielsweise täglich in der Landeszentralbank Berlin geschreddert, egal ob es sich um braune, blaue oder grüne Scheine handelt. "Der Wert des Geldes ist nicht mehr von Interesse. Uns interessiert nur die Menge", erklärt Friedhelm Meier, Euro-Beauftragter der Landeszentralbank Berlin. "Wir schreddern alles, was hereinkommt - außer Falschgeld", meint Meier weiter. Spätestens seit Neujahr mit der Einführung des Euro-Bargeldes arbeiten die Schredder-Maschinen auf Hochtouren im Zwei-Schicht-Betrieb, um die Flut an alten Geldscheinen zu vernichten. Vermutlich werde die Entsorgung allein der Scheine noch bis Ende März dauern. Die Münzen werden derzeit nur gelagert und sollen später deformiert und eingeschmolzen werden.

Die viel zitierten Schnipsel indes, das so genannte Schreddergut, werden südlich von Cottbus in das Brandenburgische Kraftwerk Schwarze Pumpe transportiert. In den dortigen Verwertungsanlagen wird aus dem alten Geld Methanol hergestellt. Der vielseitig einsetzbare chemische Rohstoff findet sich in Kühl- und Lösungsmitteln, aber auch in Pharmazeutika und Vitaminprodukten wieder. So also endet die Spur der Scheine.

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