Berlin : Euro: Kampf um jeden Cent

Robert Ide

Eigentlich ist genug Geld da. Mit vollen Händen greifen Präger der Berliner Münze in Holzkisten mit silbernen und bronzenen Cent-Stücken. 3,4 Milliarden Euro-Münzen werden hier hergestellt, pro Tag sieben Millionen Stück. Betriebsleiter Reinhard Knieriemen verkündet stolz: "Es kommt nur noch auf die Verteilung an." Doch genau hier gibt es Probleme. Denn zur Euro-Einführung könnte es in Berlin am Kleingeld mangeln.

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Der Euro kommt - Infos zur Währungsumstellung "Das wird ein Riesentheater", prophezeit Klaus-Dieter Kühbacher, Präsident der Landeszentralbank. Er sagt lange Schlangen an den Bankschaltern voraus. Sein Vorwurf: die Geldhäuser haben zu wenig Münzen bestellt. Ab 17. Dezember soll es für alle Haushalte ein Euro-Startpaket geben. In Plastiktüten - bei jeder Bank für 20 Mark zu haben - sind zehn Euro und 23 Cent in Münzen verpackt. Doch die Banken haben zu wenig dieser Beutelchen geordert. In Berlin gibt es nur 900 000 Euro-Tüten - für 1,8 Millionen Haushalte.

Was passiert im Januar, wenn der Euro kommt? Kühbachers Szenario sieht so aus: Bankkunden holen sich Euro-Scheine vom Automaten. Ihre Kleingeld-Tütchen behalten sie als Andenken, "schließlich sind wir ein Volk von Sammlern" (Kühbacher). Nun wollen alle am Schalter wechseln. "Da dürfte ganz schön was los sein", gesteht Katja Damm von der Sparkasse ein. Olaf Karwatowski von der Volksbank sagt: "Wir denken über verlängerte Öffnungszeiten nach."

Der Andrang hätte weitreichende Folgen. So befüchtet der Berliner Einzelhandel, dass die Kunden die Kaufhäuser stürmen, um dort zu wechseln und ihre letzten Mark-Scheine auszugeben. Jan Holzweißig vom Einzelhandelsverband rechnet damit, dass Supermärkte das zwanzigfache an Kleingeld benötigen als an normalen Tagen. Viele Läden hätten noch gar keine Münzen bestellt. "Da sagen die Hausbanken leider: Pech gehabt!"

Versinkt Berlin im Euro-Chaos? Große Kaufhäuser wollen immerhin Wechselkassen einrichten. An Bankautomaten soll es zunächst kleine Euro-Scheine geben. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bleibt dennoch skeptisch: "Ich hoffe, dass die Banken die richtige Strategie haben."

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