Berlin : Euro: Schlange stehen für den Euro - doch bezahlt wird noch mit Mark

Lars von Törne

Mit dem Euro kamen die Schlangen: Am ersten Werktag mit dem neuen Zahlungsmittel stauten sich gestern vor Banken, Sparkassen und Postfilialen die Kunden bis auf die Gehwege. Zehntausende Berliner standen teilweise stundenlang an, um ihre baren D-Mark umzutauschen oder Euro abzuheben. In Kaufhäusern, Supermärkten und kleinen Läden verlief der Start mit dem neuen Geld dagegen ohne größere Verzögerungen. Rund 80 Prozent der Berliner zahlten am Vormittag in Geschäften allerdings weiter mit der Mark. Erst in zwei Wochen, so die Prognose des Einzelhandelsverbandes, werden die Kunden ganz auf den Euro umgestiegen sein.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? "Wieso ich eine Stunde in der Schlange stehe? Na, das wird doch in den nächsten Tagen auch nicht besser", sagt der Doktorand Martin Schwedes. Hinter ihm stauen sich in der Post in der Potsdamer Straße rund 100 andere Kunden, teils genervt, teils schicksalergeben. "Ich will meine letzten D-Mark einzahlen und meine ersten Euros abheben", sagt der 31-Jährige. Vorne am Schalter erklären die Post-Mitarbeiter geduldig einer älteren Kundin, dass die grünen Scheine jetzt die Hunderter und die braunen die Fünziger sind. Doch Martin Schwedes wartet geduldig. "Als mein Zeitungshändler mir sagte, er nimmt nur noch Euro, habe ich beschlossen: Jetzt tausche ich."

Hinter ihm grummeln Kunden, die unaufschiebbare Postgeschäfte zu erledigen haben. "Ich muss unbedingt heute noch Geld in die Türkei überweisen", sagt der Kellner Ali Cevik. "Wieso können die anderen nicht ein paar Tage mit ihrem Umtausch warten?" Das sieht Post-Sprecherin Sylvia Blesing ähnlich: "Es gibt keine Notwendigkeit, sich wegen des Euros in die Schlange zu stellen." Neues Geld gibts am Automaten, und die D-Mark wird man auch später noch los. Wieso trotzdem alle anstehen? Blesing: "Das ist ein psychologisches Phänomen."

Rund 50 Millionen Euro wurden bis gestern Mittag alleine bei den Sparkassen abgehoben, berichtet Sprecherin Katja Damm. "Wir kommen mit dem Auffüllen der Automaten gar nicht schnell genug hinterher." Auch deswegen spuckten gestern weiterhin rund 50 der insgesamt 700 Sparkassenmaschinen keine Euro-Scheine aus. Kunden, die nicht Schlangestehen wollen, empfiehlt die Sparkassensprecherin, noch ein paar Tage zu warten. "Nächste Woche wird es wieder ruhiger."

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