"Euro Wahl Gang" : Wie Schüler mit der Europawahl umgehen

Die Initiative "Euro Wahl Gang" haben Schüler erfunden. Sie wollen mehr junge Leute an die Urnen holen.

Patricia Hecht
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Freundliche Werber. Das Oberstufenzentrum Zehlendorf macht mit bei der Initiative Euro-Wahl-Gang. Schüler debattierten mit...

„Erste Frage“, ruft der Moderator Süha Gürkule ins Publikum: „Wer von euch weiß, auf welchem Sender Germanys Next Topmodel läuft?“ Rund 200 Schüler jubeln und recken in der Aula des Steglitzer Oberstufenzentrums (OSZ) für Bürowirtschaft und Verwaltung ein grünes Kärtchen in die Luft. Jeder weiß es, heißt das. Nächste Frage: „Wer von euch geht am 7. Juni zur Europawahl?“ Diesmal halten sich die Meldungen in Grenzen.

Damit die grünen Kärtchen auch auf diese Frage hin eine satte Mehrheit bekommen, haben die beiden Zwölftklässler Süha Gürkule und Max Pfeifer im Rahmen der Kampagne „Euro Wahl Gang“ fünf Politiker in ihre Schule eingeladen. Kurz vor den Wahlen sollen sie über europäische Themen debattieren und so junge Menschen motivieren, im Juni ihre Stimme abzugeben.

„Letztes Mal sind von den 21- bis 25-Jährigen nur 30 Prozent zur Europawahl gegangen – das ist katastrophal wenig“, sagt Julie Rothe vom studentischen Verein Politikfabrik, der die „Euro Wahl Gang“ initiiert hat. Um das zu ändern, finden in diesen Tagen an sechs Berliner Schulen ähnliche Diskussionsrunden statt. Bundesweit sind Politiker an 80 Schulen eingeladen. Und dabei ist die „Euro Wahl Gang“ nur eine unter vielen Jungwählerkampagnen: Das Aktionsprogramm für mehr Jugendbeteiligung etwa betreibt allein in Berlin und Brandenburg drei Projekte, die mehr Jugendliche an die Wahlurnen bringen sollen.

Zur Veranstaltung nach Steglitz sind Vertreter aller Parteien gekommen, die nun neben den beiden 18-jährigen Moderatoren Gürkule und Pfeifer auf dem Podium sitzen. Im Hintergrund hängt die blaue Europaflagge mit den gelben Sternen, die Schüler tragen schicke Hemden und Headsets. Wieso er sich denn habe aufstellen lassen, fragt Gürkule etwa den Pankower Europakandidaten der CDU, Torsten Kühne: „Gefällt Ihnen Berlin nicht?“ Die ersten Lacher und die Aufmerksamkeit seines Publikums sind ihm sicher – aber auch Kühne kann die Rolle des Europäischen Parlaments darstellen.

Mit Unterstützung der Politikfabrik haben Gürkule und Pfeifer die Diskussion selbst organisiert: von Schülern für Schüler. Ein Lehrer habe sie auf die „Euro Wahl Gang“ aufmerksam gemacht, sagt Pfeifer, kurz nach der Bewerbung wurden die beiden von der Initiative Politikfabrik zu einem Europa-Workshop und Moderationstrainig eingeladen.

Engagiert, mit kurzweiligen Video-Einspielungen und schnellen Fragen machen sie ihre Sache fast professioneller als die meisten der anwesenden Politiker. Die driften schnell mal in Wahlkampfrhetorik ab. Immer wieder müssen die beiden Schüler sie ermahnen, bei europäischen Themen zu bleiben: Dem möglichen EU-Beitritt der Türkei etwa, dem Einfluss des Parlaments auf die deutsche Gesetzgebung oder europäischen Antworten auf den Klimawandel.

Dennoch: Nach zwei Schulstunden halten mehr Schüler die grüne Karte für Europa in die Luft als vor der Debatte. Und wie war es für Max Pfeifer und Süha Gürkule? Hat die Diskussion den beiden Jungs bei ihrer Wahlentscheidung geholfen? Süha nickt. „Heute vormittag hätte ich noch FDP gewählt“, sagt er und seufzt. „Aber jetzt mache ich mein Kreuz bei der SPD.“

Link: www.eurowahlgang.de

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