Berlin : Euro: Wie fühlt sich das neue Geld an?

Annette Kögel

Es ist schwerer, aber auch schicker, das neue Geld - dieser Eindruck einte gestern viele Euro-Erstbesitzer. In den Banken gab es am Premieren-Ausgabetag des "Starter Kits" regen Betrieb - aber nur wenige Warteschlangen an den Schaltern. Die Nachfrage war regional verschieden: Die Säckchen mit 10,23 Euro zum Preis von 20 Mark gingen vor allem in zentral gelegenen Filialen schon am Vormittag schnell weg. In 200 der 260 Filialen von Berliner Bank und Sparkasse gab es zum Feierabend keinen Eurobeutel mehr. Die Stimmung im Roten Rathaus während der "Starter Kit"-Feier bei Tomatensuppe mit Euro-Nudeln war gut.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Den Euro-Käufer erkennt man an einer typischen Handbewegung: Erst das Säckchen kurz in der hohlen Hand gewogen, dann die Tüte wie einen Schatz schnell in der Jackentasche verschwinden lassen. Hilmar Bartel, 57, freute sich vor der Sparkasse auf der Neuköllner Hermannstraße über die "glitzernden" Münzen. "Beim Geld hört ja die Freundschaft auf. Wenn die Länder jetzt durch eine gemeinsame Währung näher zusammenrücken, ist das doch toll." Eine 64-jährige Neuköllnerin in der Deutschen Bank 24 an der Karl-Marx-Straße über die Münzen: "Niedlich."

So sehen das offenbar viele: Der Groschen fällt, der Euro rollt. Bei den Instituten der Bankgesellschaft waren die Tüten abends in 200 von 260 Filialen weg - insgesamt standen 700 000 zur Verfügung. Lange Schlangen gab es nur deswegen nicht, weil die Abfertigung der Kundschaft schnell ging: 20 Mark auf den Tisch, "Starter Kit" eingepackt. Am späten Nachmittag waren die Eurotüten "in 19 von 105 Filialen ausverkauft", sagte Olaf Karwatowski, Projektleiter für die Euroumstellung bei der Volksbank. Wer etwa am Spittelmarkt, am Bundesplatz, am Wittenbergplatz, aber auch in Weißensee und in Wittenau zu spät kam, den bestrafte die freie Marktwirtschaft. So wurden viele Berliner zu "Wechselwählern", wie Karwatowski die Nicht-Kunden nannte, die mangels "Starter Kits" bei der Hausbank andere Institute aufsuchten.

"Kein Massenansturm, keine eingedrückten Fensterscheiben" - so die Kurzbilanz von Christian Hotz, Pressesprecher der Deutschen Bank 24. Und doch erinnerte die Stimmung in Foyers und den speziell eingerichteten Schaltern teils an die Ausgabe des Begrüßungsgeldes - erst die West-Mark, jetzt der Euro. Unter den Linden wechselten 1200 Geldbeutel in viereinhalb Stunden den Besitzer. Nichts ging mehr, auch in der Sparkasse Unter den Linden - Alt-Kunden, Spontankäufer, Neugierige, Touristen, sie alle standen an.

Lydia Galow aus Gummersbach wollte eigentlich nur das Rote Rathaus sehen. Dann blieb die Frau aber doch zur "Starter Kit"-Party mit dem Omnibus-Kinderchor, einem Zauberer, Hostessen aus der Jugendkunstschule Köpenick - und nahm eine Zehn-Mark-Gedenkmünze als Souvenir mit. Als Euro-Croupier machte Reinhard Knieriemen von der Staatlichen Münze Berlin eine gute Figur: 1400 Säckchen, und fast alle weg. Dazu gab es Schokotaler, gratis. Noch ist auch der Euro nur Spielgeld, aber wie sagte die Kundin in der Deutschen Bank 24 an der Karl-Marx-Straße gleich? "Das gibt sich im neuen Jahr leichter aus, als uns allen lieb ist."

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