Berlin : Europa bleibt schwer zu begreifen

Schüler diskutierten mit Alt-Bundespräsident Weizsäcker

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Wie sieht Europas Zukunft aus? Max legt den Kopf schief. „Keine Ahnung“, sagt der Abiturient aus Köpenick. Europa ist für ihn weit weg. Auch Jana von der JohnF.-Kennedy-Schule in Zehlendorf weiß nicht, was sie von Europa halten soll. Sie fühlt sich von der Politik überfordert. Max und Jana sind zwei von 600 Berliner Oberschülern, die am Donnerstag eingeladen waren, in der Mercedes-Welt am Salzufer zusammen mit Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker über Europas Zukunft und seine Rolle in der Welt zu diskutieren.

Im Mittelpunkt von Weizsäckers Plädoyer für die europäische Idee steht vor allem die Vergangenheit. „Für meine Generation“, sagt er, „war der Gedanke der europäischen Einigung eine Erlösung.“ Damit können die Jugendlichen heute nicht viel anfangen. „Wir haben nicht diese Leidenschaft für Europa“, sagt Jana. Europa aus seiner Vergangenheit heraus zu definieren, ist ihnen zu wenig.

Ob die Politik versäumt habe, jungen Leuten den Europa-Gedanken schmackhaft zu machen, will der Moderator der Veranstaltung, Cherno Jobatey, von Weizsäcker wissen? Der bejaht. Im Gegensatz zu Frankreich hätten die Politiker in Deutschland beispielsweise jede kritische Debatte über den Euro vermieden. Eine Alternative zur EU gebe es nicht, sagt Weizsäcker. Dass in 20 Jahren Russland oder die Türkei als Vollmitglieder zur EU gehören könnten, glaubt er nicht. Beide Länder reichten weit nach Asien hinein, von den Problemen dort wäre die Europäische Union überfordert. Weizsäcker plädierte aber für eine enge Zusammenarbeit mit der Türkei und mit Russland. hx

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