EUROPÄER IN BERLIN : "Wir sind wieder zurück in Europa"

146 000 Menschen aus EU-Mitgliedsländern leben in der Stadt. Täglich berichtet ein Europäer, was Berlin und Europa für ihn bedeuten. Diesmal erzählt eine Estin.

Weidebaum
Reet Weidebaum -Foto: Mike Wolff

Als Kulturattaché der Estnischen Botschaft bin ich von Berlin absolut begeistert. Das Kulturangebot hier ist unglaublich breit gefächert und sehr spannend – von Oper bis Underground ist alles dabei. Meine Aufgabe ist es, estnische Kultur nach Deutschland und Berlin zu bringen. Im HAU etwa sind immer wieder estnische Choreografen, auch im Jazzbereich tut sich viel. In der Botschaft stellt momentan die junge estnische Künstlerin Sirja-Liisa Vahtra aus, und auf dem Berliner Design Festival ist auch estnisches Design vertreten.

Für mich als Estin bedeutet Europa, dass wir zurückgekehrt sind. Vor dem Kalten Krieg gehörte Estland zu Europa. Unsere Musik, Theater, unsere Kunst und Architektur sind europäisch geprägt. Die Altstadt von Tallinn ist eine mittelalterliche Hansestadt. Während des Kalten Kriegs war diese kulturelle Verbindung durch die Sowjetunion gekappt, aber jetzt fühlen wir uns wieder zu Hause.

Wir sind auf gutem Weg mit Europa, die Staaten sind solidarisch. Doch jeder jeder Einzelne muss selbst aktiv werden, selbst Interesse zeigen. Ich habe hier in meiner Botschaft bereits gewählt – ich gehe zu jeder Wahl. Denn wer nicht wählt, darf sich später auch nicht beschweren. pth

Die Ausstellung von Sirja-Liisa Vahtra läuft noch bis zum 15. September, Estnische Botschaft, Hildebrandstraße 5, Tiergarten. Mittwochs 15 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

Reet Weidebaum, 47, stammt aus Tallinn in Estland. Sie arbeitet als Kulturattaché an der Estnischen Botschaft in Tiergarten und lebt seit sechs Jahren in Berlin.

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