• Europäisches Jugendtreffen: „Berlin ist toll für Künstler – man ist hier viel freier“

Europäisches Jugendtreffen : „Berlin ist toll für Künstler – man ist hier viel freier“

300 junge Kreative sind zum Europäischen Jugendtreffen gekommen Wir haben sie gefragt, welche Eindrücke sie von ihrem Besuch mitnehmen.

Jugendtreff
"Vielseitig und multikulturell". Benita Vasauskaite und Justias Tertelis aus Litauen sind jetzt Berlin-Fans. -Foto: Thilo Rückeis

BerlinSeit Montag sind für insgesamt vier Tage 300 junge Künstler aus allen 27 Mitgliedsstaaten der EU zu Besuch in Berlin. Sie sind auf Einladung der Bundeskanzlerin und scheidenden EU-Ratspräsidentin, Angela Merkel, zum Europäischen Jugendtreffen gekommen. Es sind Musiker, Schauspieler, Tänzer, Filmleute, Fotografen und bildende Künstler. In den Hallen des Postbahnhofs am Ostbahnhof ist deshalb seit Montag nicht nur ein bunter Sprachen-Mix zu hören. Die jungen Künstler hatten auch einen Beitrag zum Thema Europa im Gepäck. In einem eng gepackten Wochenplan fügten sie ihre Einzelbeiträge zu einem Programm zusammen, das heute zum Abschluss ihres Besuchs im Garten des Bundeskanzleramts vor 700 geladenen Gästen aufgeführt wird. Wir wollten von ihnen wissen, welche Eindrücke sie aus der deutschen Hauptstadt nach Hause mitnehmen.

Die Schwestern Dalma (27) und Lilla Makkos (23) kommen aus der ungarischen Kleinstadt Celldömök. Sie spielen mit traditionellen Instrumenten im interaktiven „Ensemble Omuzsika“. Zur Musik erzählen Hintergrundbilder die Geschichte der Musik und der Instrumente.

„Man kann erkennen, dass die Menschen hier versuchen, Neues aufzubauen und dabei Altes zu erhalten. Berlin ist für uns sehr interessant, weil wir für unser Projekt noch internationale Partner suchen. Da bietet sich Berlin als internationale Stadt an. Spannend ist auch, dass Berlin genauso wie Ungarn eine sozialistische Geschichte hat. Berlin ist für die Europäische Union wichtig als Kulturstandort. Jugendliche können sich durch Musik und Kunst leichter kennenlernen als durch Sprache, und so können sie überhaupt zusammenarbeiten.“

Juan Berasategui (26) und Pedro Pinto (25) aus dem spanischen Valencia treten als die Clowns Ditu & Feitu auf. In ihrer Show „Alter-Lego“ verarbeiten sie das Unverständnis zwischen einander fremden Menschen.

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"Jeder kann sein Ding machen". Pedro Pinto (l.) und Juan Berasategui aus Spanien. -Foto: Thilo Rückeis



„Wir sind schon zwei Wochen früher nach Berlin gekommen, um auf der Straße zu spielen. Die Stadt ist sehr multikulturell. Uns ist aufgefallen, dass es eine große kulturelle Freiheit zwischen den einzelnen Nationalitäten gibt. Man muss die deutsche Art zu leben nicht adaptieren, um hier zu leben. Jeder kann sein Ding machen. Dass Berlin mal in Ost- und Westteil getrennt war, fällt immer weniger auf. Es ist eine eigene Atmosphäre, die es in Berlin gibt, und innerhalb dieser Stimmung gleichen sich beide Teile immer mehr. Für uns ist Berlin zurzeit das alternative Zentrum Europas. Ob sich die Stadt einmal zu einem kulturell-wirtschaftlichen Zentrum wie London entwickeln wird, ist jetzt noch nicht vorauszusehen.“

Benita Vasauskaite (23) und Justias Tertelis (25) aus der litauischen Hauptstadt Vilnius sind Mitglieder der Theatergruppe „Open Circle“. Mit Improvisationstheater erzählen sie die Geschichten ihres Lebens.

„Unser Eindruck von Berlin ist, dass es eine sehr große, sehr multikulturelle Stadt ist. Das ist toll. Man geht um eine Ecke und hat eine bestimmte Atmosphäre, dann geht man um eine andere, und schon verändert sich alles. Nirgendwo siehst du zum Beispiel so viele Türken wie hier in Berlin. Das war erstaunlich. Dabei ist die deutsche Geschichte gleichzeitig sehr gegenwärtig. Das sind die beiden Seiten, die uns hier auffallen.“

François Makanga (24), Tito Mutyebele (24) und Dady Kasa-Vubu (24) aus Brüssel sind Mitglieder der A-capella-Gruppe „Five’n Deed“. Ihre Musik handelt von städtischer Poesie.

„Beeindruckend in Berlin ist diese bestimmte Art des Städtischen. Diese unterschiedlichen Architekturen, die verschiedenartigen Gebäude. Altes und Neues ergeben eine eigenartige, ganz spezielle Mischung. Die Berliner erscheinen auf den ersten Blick distanziert. Je mehr man aber miteinander zu tun hat, je mehr man miteinander redet, desto näher kommt man sich. Toll ist, dass die Leute scheinbar merken, wenn man hier fremd ist. Man steht irgendwo suchend rum, und sofort versucht jemand zu helfen. Wir haben in der U-Bahn eine Verbindung gesucht und bekamen sofort Hilfe. Wenn wir Zeit haben, wollen wir uns auf die Suche nach Musikbühnen machen. Wir haben viel Gutes über den deutschen Jazz gehört. Den wollen wir hören!“

Michelle Browne (30)
aus Dublin ist Leiterin der Künstlergruppe „Out of Site“, die sich mit interaktiven Elementen mit dem Thema der Migration in Europa auseinandersetzt.

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Michelle Browne. -Foto: Thilo Rückeis



„Berlin ist toll für Künstler! Es ist eine preiswerte Stadt. Es gibt hier so viele kleine Galerien, die nicht kommerziell sind. Die können hier existieren. In Dublin ginge das wegen zu hoher Mieten nicht. Man hat dadurch weniger Druck, Geld mit seiner Kunst machen zu müssen. Dadurch ist man freier. Interessant finde ich, wie die Stadt zurzeit versucht, sich in Europa zu positionieren. Wie man hier versucht, eine Metropole wie Paris, London oder New York zu werden. Dabei wird scheinbar versucht, die städtische Kultur als touristischen Anziehungspunkt zu verkaufen. Das ist spannend!“

Vasilis Triantafyllou (20), Giorgos Asimakopoulos (20) und Konstantinos Pritskas (22) aus Limassol auf Zypern spielen in der Band Chronoktones. In ihrer Musik zeigen sie den Einfluss Europas auf die griechische Rockmusik.

„Wir haben noch nicht viel Zeit gehabt und noch nicht viel gesehen, aber wir wollen unbedingt zur Mauer. Dorthin, wo sie Berlin teilte. Es soll hier auch ein Mauermuseum geben. Da wollen wir auch hin. Wir haben ja in Zypern eine ganz ähnliche Situation. Auch wir haben ein geteiltes Land, wie es hier mal war. Es ist gut, dass hier in Berlin die einzelnen Nationalitäten und Kulturen zusammenkommen. Hoffentlich wird sich das wiederholen.“

Aufgezeichnet von Sebastian Rothe

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