Berlin : „Europas berühmteste Sackgasse“

Die alten Gegner bleiben: CDU, FDP und der ADAC kritisieren die Schließung des Brandenburger Tors

Klaus Kurpjuweit

Für die CDU hat Berlin durch die Sperrung des Brandenburger Tors nun „Europas berühmteste Sackgasse“, für die FDP ist Berlin damit zu „Kleinkleckersdorf“ geworden, und der ADAC sieht eine neue „Brandenburger Sperre“ in der Stadt. Applaus kommt dagegen nicht nur aus der Koalition und von den Grünen, sondern auch von der Berliner Tourismus Marketing GmbH und vom Hotel Adlon. Die Allianzen von Gegnern und Befürwortern setzen sich völlig unterschiedlich zusammen, die Argumentationen ähneln sich aber seit Jahren. Nur wenige haben seit dem Fall der Mauer auch ihre Haltung zur Tordurchfahrt verändert (siehe Kasten).

Endlich könnten sich die Berliner und deren Gäste auf einem der am meisten besuchten Plätze in der Stadt völlig frei bewegen, ohne auf den Autoverkehr achten zu müssen, freut sich die Sprecherin der Tourismus Marketing, Natascha Kompatzki. Mit einem verkehrsfreien Pariser Platz lasse sich auch nach außen besser für die Stadt werben. Der Pariser Platz habe „eine gewisse Würde und verdiene die Verkehrsruhe“, meint die Sprecherin des Hotels Adlon, Ulrike Heesch. Gäste des Hotels hätten immer wieder gefragt, wann der Autoverkehr hier endlich verbannt werde.

Widerspruch kommt prompt von ADAC-Sprecherin Maike Pannier. Gestern Mittag seien 30 bis 40 Besucher auf dem Platz gewesen, während sich gleichzeitig viel mehr Autos durch die seitlichen Straßen schlängeln mussten, wie Pannier beobachtet hatte. Der ADAC bedauere die Entscheidung und hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.

Die CDU setzt dabei aufs Volk. Über die künftige Nutzung des Tores sollten die Berliner abstimmen, schlägt der Verkehrsexperte der CDU, Alexander Kaczmarek vor. Für Touristen sei zudem nun eine wichtige Attraktion weggefallen, denn der Doppeldeckerbus und das Brandenburger Tor gehörten im öffentlichen Bewusstsein zusammen.

Sein FDP-Kollege Klaus-Peter von Lüdeke sieht in der Dauersperrung „einen verkehrs- und wirtschaftspolitischen Anschlag auf die Mitte Berlins und vor allem auf den Boulevard Unter den Linden“. Er fordert zwei Testphasen – erst eine halbjährige Sperrung und dann eine anschließende Öffnung für den Autoverkehr, um die Folgen vergleichen zu können. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) fordert ein zukunftsfähiges Verkehrsleitsystem, statt „die Ost-West-Magistralen“ durch das Brandenburger Tor für den Verkehr zu sperren. Enttäuscht über den Schließungsbeschluss sind die BVG und die Taxi-Innung. Proteste seien aber „unangebracht“, sagte Innungschef Wolfgang Wruck der Nachrichtenagentur ddp. BVG-Sprecher Ulrich Mohneke kündigte an, die BVG werde mit ihrem Busverkehr flexibel reagieren. Das Unternehmen hofft, dass auf den Straßen der Umgebung Busspuren eingerichtet werden.

Für bummelnde Touristen werde der autofreie Pariser Platz „zweifelsohne“ attraktiver, ist Taxi-Vertreter Wruck überzeugt, während es hier bei Mohneke Zweifel gibt. Andere Städte wie Kassel hätten gezeigt, dass es möglich sei, den öffentlichen Nahverkehr auch durch Fußgängerzonen zu führen. Doch nicht überall. Heidelberg hat bereits vor Jahren seine Straßenbahn aus der Fußgängerzone in der Altstadt verbannt. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Sibyll Klotz, machte es kurz: Mit der Schließung habe sich „nach langen Jahren des kleinlichen Streits endlich die Vernunft durchgesetzt“. Die Berliner hätten durch ihr Verhalten klar gemacht, dass sie keinen Autoverkehr unter dem Brandenburger Tor wollten.

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