European Film Award : Her mit der kleinen Engländerin!

Der aus London stammenden Preisfigur der European Film Awards fehlt noch immer ein richtiger Name. Dennoch ist sie heiß begehrt. Am Sonnabend sollte sie im Tempodrom dutzendfach verliehen werden.

von
Kleiner als Oscar. Beim Fototermin in der PanAm-Lounge durfte Wim Wenders – gemeinsam mit Anke Engelke – den Filmpreis schon mal zur Probe in die Hand nehmen: Auch sein Dokumentarfilm „Pina“ steht auf der Liste der Nominierungen der European Film Awards, die am Samstagabend im Tempodrom verliehen werden sollten.
Kleiner als Oscar. Beim Fototermin in der PanAm-Lounge durfte Wim Wenders – gemeinsam mit Anke Engelke – den Filmpreis schon mal...Foto: dpa

Efa? Das ist doch kein Name! Würde es wenigstens mit V geschrieben. Efa – das ist nur eine Abkürzung, die Initialen von „European Film Award“. Von 1988 bis 1996 hieß der Preis noch Felix, dann aber wurde die bei der Verleihung überreichte Figur durch ein neues Modell mit deutlich weiblicher Anmutung ersetzt. Felix, „der Glückliche“, fiel damit flach. Seither hat Europa neben seinen vielen ungelösten Problemen ein weiteres: Den Oscar kennt die ganze Welt, von der Lola wissen zumindest die filmaffinen Kreise in Deutschland. Nur der Europäische Filmpreis, dessen 24. Verleihung im Kreuzberger Tempodrom an diesem Samstagabend bevorstand, hat noch immer keinen richtigen und ruhmvollen Namen.

Genau genommen ist Efa Britin, Geburtsort London, und sie blickt weitaus optimistischer in den Himmel der Zukunft, als es Europa derzeit möglich ist. Immerhin 26 Zentimeter ist die Statuette hoch und zwei Kilo schwer – gegenüber dem Oscar (gut 34 Zentimeter, 3,85 Kilo) ist sie ebenso leichtgewichtig wie zwergwüchsig, aber doch ein solides, gut in der Hand liegendes Stück Handwerkskunst. Geschaffen hat sie der in Ägypten, als Sohn einer britischen Soldatenfamilie geborene Schmuckdesigner Theo Fennell. Der Eton-Schüler hatte in London Kunst studiert, danach als Silberschmied gearbeitet, bevor er sich 1982 mit einer eigenen Schmucklinie selbstständig machte. Mittlerweile ist der Firmensitz in der Londoner Fulham Road 169 der Flagship-Store eines globalen Fenell’schen Schmuckreiches, zu dessen Kunden Celebritäten wie Elton John, Keith Richards, Liz Hurley und die Beckhams gehören. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Schmuckkünstler zu seinen persönlichen Helden auch Lord Nelson, den Sieger von Trafalgar, zählt und es zu einer seiner goldenen Lebensregeln erklärt hat, niemals nördlich von Cannes weiße Schuhe zu tragen, wie er der „Financial Times“ unlängst verriet.

Dem Schmuck aus seinem Hause, in dem natürlich „einige der talentiertesten Handwerker der Welt“ arbeiten, bescheinigt Fennell eine „weite und vielseitige Palette“, die Einflüsse und Inspirationsquellen reichen „vom antiken Griechenland bis zum Rock’n’Roll, von Friedhöfen bis zu klassischen Porträts“, und stets läuft der Meister mit einem Notizbuch durch die Welt, um Dinge, die seine Aufmerksamkeit fesseln, sofort festzuhalten.

Das Sortiment, wie es auf seiner Internetseite www.theofennell.com ausgebreitet wird, ist daher auch ziemlich kunterbunt: Herzförmige Anhänger mit eingearbeitetem roten Kussmund (für Verliebte) oder mit aufgesetztem Geweih (für Gehörnte?) gehören ebenso dazu wie Ringe mit diversen Totenschädelmotiven (fürs Memento mori). Je nach Weltanschauung kann man sich bei Fennell Manschettenknöpfe mit dem Porträt Ghandis, Churchills oder Maos aussuchen, bei den Ringen ist das Angebot berühmter Köpfe noch größer. Nur Efa sucht man auf seiner Webside vergebens, aber die kann man ja auch nicht kaufen.

Verglichen mit diesem Sortiment kommt die silberne Preisdame geradezu schlicht daher, das entfernt an Filmstreifen erinnernde Gewand nur europäisch dezent mit einigen Sternen geschmückt. In über einem Dutzend Kategorien stand gestern die Preisvergabe an, zudem sollten Regisseur Stephen Frears und Schauspieler Mads Mikkelsen für ihre Verdienste um den europäischen Film geehrt werden. Favorit mit acht Nominierungen war Lars von Triers „Melancholia“, es rechnete gestern aber eigentlich keiner mehr damit, dass der reisescheue, wohl auch an den Spätfolgen seines schrägen Cannes-Auftritts leidende Regisseur persönlich anwesend sein würde: Er hatte weder zu- noch abgesagt, nur seine Frau hatte ihr Kommen zugesichert.

Aber die wort- und witzgewaltige Anke Engelke, Moderatorin der Abends, würde eventuell daraus erwachsende Klippen sicher ohne größere Mühe umschiffen, da kann man bei ihr sicher sein. Und sie sollte es sicher auch meistern, dass ihr mit Wim Wenders als Präsidenten der European Film Academy nicht ein ganz so eloquenter Stichwortgeber gegenüberstehen würde wie Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Rund 1000 Gäste hatte sie im Betonrund des Tempodrom-Zeltes zu bespaßen, und dann waren da auch die Zuschauer des Live-Streams auf www.europeanfilmawards.eu und der weltweit über 100 TV-Sender, die aus dem Tempodrom berichten. Die Völker der Welt, sie schauten auf dieses Zelt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben