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Evangelische Grundschule in Berlin-Mitte : Flaschenwerfer bedroht Schüler

In der Pause landete eine volle Flasche auf dem Schulhof einer Grundschule. Jetzt ist der Schulhof gesperrt, die Polizei ermittelt. Das Problem existiert aber wohl schon seit Längerem.

Felix Hackenbruch

„Wir möchten gerne wieder sicher und frei spielen können, ohne dabei Angst haben zu müssen uns zu verletzen oder verletzt zu werden!“ Diesen Appell haben die Schüler der evangelischen Grundschule in der Rochstraße in Mitte ihren 240 Nachbarn geschrieben. Anlass dafür waren wiederholte Flaschenwürfe aus dem Hochhaus in den benachbarten Schulhof. Am 5. April war eine volle Plastikflasche nur knapp neben einigen Schülern gelandet. Seitdem sind Teile des Schulhofs abgesperrt.

„Ich bin noch immer schockiert“, erklärt die Schulsekretärin Nicole Bahn. „Die Flasche ist direkt neben einem siebenjährigen Kind – gerade erst eingeschult – eingeschlagen. Das hat jetzt richtige Angstzustände“, sagt sie. Sie berichtet, dass der Hausmeister schon seit Jahren immer wieder Weinflaschen auf dem Schulhof findet. Seit dem Vorfall mit der Plastikflasche „wollen wir die Polizei über jede neue Flasche informieren“, erklärt Bahn. Auf Anfrage des Tagesspiegels kündigte die Polizei bereits an: „Die Polizei zeigt zu den Pausenzeiten sowie vor Schulbeginn und nach Schulschluss Präsenz, um bei den Schülern das Sicherheitsgefühl zu stärken.“ Außerdem ermitteln die Behörden wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung

„Ich finde es sehr erstaunlich, dass es so lange gedauert hat“, sagt eine Mutter. Schulsekretärin Nicole Bahn pflichtet ihr bei: „Ich arbeite hier seit 2007 und immer wieder gab es Flaschenwürfe. In letzter Zeit ist es aber brutaler geworden.“Das bestätigt ein Nachbar. Der 80-Jährige wohnt dort seit 15 Jahren und beobachtet die Entwicklung mit Sorge: „Früher flog auch mal eine Flasche im Suff, aber das sind jetzt ganz andere Dimensionen.“ Die Polizei ergänzte am Freitag, dass es drei Strafermittlungsverfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gebe, von denen eines sich auf einen Fall im Juni 2015 beziehe und zwei auf diesen April. In allen drei Fällen geht es um Flaschenwürfe.

Neben dem Schreiben haben sich die Schüler weitere Aktionen überlegt

Steffi Pianka, Pressesprecherin der Wohnungsbaugesellschaft Berlin zu denen auch die Immobilie in der Rochstraße gehört, sind die Vorfälle noch nicht bekannt. „Das überrascht mich total“, erklärt sie „eigentlich haben wir da eine enge Community. Wir haben die Bewohner mal ein Jahr lang begleitet und einen schönen Film gedreht.“ Dass nun ein vermeintlicher Einzeltäter ein schlechtes Bild auf die Wohngemeinschaft wirft, ärgert sie.

Inzwischen sind die Schüler bereits selbst aktiv geworden. 240 Briefe haben sie an die Nachbarn geschrieben (hier als PDF zum Download). „Es war eine Bitte der Kinder, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen“, erklärt Schulleiterin Kerstin Hagedorn. Im Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es unter anderem: „Was können wir tun, damit keine Gegenstände mehr auf unseren Schulhof geworfen werden? Wir möchten gerne mit Ihnen darüber reden, um gemeinsam Lösungen zu finden.“

Neben dem Schreiben haben sich die Schüler weitere Aktionen überlegt. Dort, wo sie ansonsten Fußball oder Basketball spielen, wollen sie mit Kreide Botschaften auf den abgesperrten Schulhof schreiben - unter Aufsicht eines Erwachsenen, wie Hagedorn betont. Den Inhalt eines möglichen Schriftzug verrät Hagedorn ebenfalls bereits: „Hallo wer bist du? Warst du auch mal Kind?“

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