Evangelische Kirche : Der neue Landesbischof kommt aus Koblenz

Der Koblenzer Superintendent Markus Dröge ist neuer Landesbischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Er setzte sich am Freitag bei der Wahl auf Landessynode im vierten Wahlgang gegen die Nürnberger Professorin für christliche Publizistik, Johanna Haberer, durch.

Claudia Keller
Markus Dröge
Der Neue. Der Koblenzer Superintendent Markus Dröge tritt die Nachfolge von Bischof Wolfgang Huber an.Foto: ddp

Dröge ist neuer Bischof Der Superintendent aus Koblenz erhielt im vierten Wahlgang zwei Drittel der Stimmen Er ist 54 Jahre alt und kommt aus Koblenz. Dort arbeitet er seit fast 25 Jahren als Gemeindepfarrer und leitet einen großen Kirchenkreis. Er überzeugte am Freitagabend die Mehrheit der 123 Kirchenparlamentarier. Sie waren in der Kirche St. Bartholomäus in Friedrichshain zusammengekommen, um einen Nachfolger für Wolfgang Huber zu wählen, der im November mit 66 Jahren aus dem Amt scheidet. Dann gibt er auch sein Amt als EKD-Ratsvorsitzender auf.

Die Wahl des neuen Bischofs war spannend. Höchstens fünf Wahlgänge wären möglich gewesen. Als nach dem dritten Anlauf immer noch keine Zweidrittel- Mehrheit feststand, fürchteten viele, dass die Wahl ergebnislos ausgeht und neue Bewerber gesucht werden müssen.

Im vierten Wahlgang setzte sich Dröge dann aber doch mit 82 gegen 36 Stimmen gegen die Münchner Professorin Johanna Haberer durch. Lang anhaltender Applaus begrüßte ihn. Er wisse um die großen Herausforderungen, vor denen die Kirche stehe, sagte der frisch Gewählte. "Ich bin guten Mutes, dass wir sie gemeinsam meistern werden."

Die Wahlsynode der evangelischen Kirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte am Freitagmorgen mit einem Gottesdienst begonnen. Danach verlas Huber seinen Bischofsbericht, ein bisschen wurde über Pro Reli diskutiert. Aber das eigentliche Thema auf den Säulengängen war: "Wer wird's?" Mittags hatten die drei Kandidaten jeweils fünf Minuten Zeit, um für sich zu werben. Markus Dröge ruckelte die Krawatte zurecht und präsentierte sich als Mann der Praxis, der auf andere zugehe sowie zuhören und beraten könne. Er stehe für Transparenz und Verbindlichkeit, und was die Vielfalt in einer Landeskirche angehe, habe er auch Erfahrung.

Danach betrat Johanna Haberer, 52, das Podium und las ihre Vorzüge selbstbewusst, aber doch auch sichtlich nervös vom Blatt ab: Sie sei eine Seelsorgerin und habe seit ihrem 27. Lebensjahr Führungsaufgaben inne. Demütig, wie es in der Kirche immer gut ankommt, fügte sie hinzu: "Ich weiß, das alles macht noch keinen Bischof aus." Aber es gebe Dinge, die könne man sich nicht selbst zusprechen, eine Liebeserklärung oder eben die Befähigung, Bischöfin zu sein. Rüdiger Sachau, Direktor der Evangelischen Akademie in Berlin, versuchte, seinen Heimvorteil zu nutzen und sprach von seinem Unterwegssein in Berlin und Brandenburg und von seiner Teamfähigkeit. Auch ihm war die Nervosität anzumerken.

Um 15 Uhr machten die 123 Kirchenparlamentarier zum ersten Mal ihr Kreuzchen in den abgeschirmten Wahlkabinen vor dem Altar. Die drei Kandidaten beobachteten das Prozedere vom Katzentisch aus. "Ich fühle mit Ihnen", hatte Huber gesagt, "ich kann mich noch gut erinnern, wie ich da saß und abwarten musste." Eine halbe Stunde später stand das Ergebnis fest: 55 hatten für Markus Dröge gestimmt, 39 für Johanna Haberer, 24 für Rüdiger Sachau, ein paar hatten sich enthalten. Es dauerte noch drei weitere Runden, bis der Sieger feststand. Markus Dröge ist für zehn Jahre gewählt. Die evangelische Landeskirche hat 1,2 Millionen Mitglieder.

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