Berlin : Evangelische Medienakademie: Kein Durst auf "Nachrichtenbrause"

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Wenn Protestanten feiern, dann nur mit gutem Gewissen. Imme de Haen, die Leiterin der Evangelischen Medienakademie, hat keine Bedenken. Die älteste Institution für Aus- und Fortbildung in der Bundesrepublik habe immer wieder gezeigt, dass sie viel arbeite. "Deswegen können wir heute auch richtig feiern", findet sie. Anlass ist das 50-jährige Bestehen der Akademie.

Bereits 1950 fand in Bad Boll der erste "Orientierungskurs praktischer Journalismus" statt, der seitdem fast jährlich veranstaltet wird. Damals wollten einige christlich orientierte Journalisten mit ihrer Initiative dazu beitragen, dass sich für Medienschaffende die Erfahrung des Versagens im Dritten Reich niemals wiederholt. Aus der ehrenamtlichen Initiative wuchs in 50 Jahren das professionelle Angebot der Evangelischen Medienakademie, das jährlich etwa 35 Kurse für Journalisten und Theologen umfasst. Zudem gibt es seit 1995 eine zweijährige Journalistenschule mit 16 Plätzen. Seit Januar hat die Akademie ihren Hauptsitz von Frankfurt (Main) nach Berlin, in die Jebensstraße, verlegt.

Um das alles gebührend zu feiern, wurden honore Persönlichkeiten aus Politik und natürlich dem Journalismus eingeladen. Eckhart von Vietinghoff, Verwaltungsratsvorsitzender des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP) bekräftigt, dass die Hauptstadt der rechte Ort ist, "um in der Nähe des politischen Geschehens das journalistische Handwerk zu erlernen". Altbundespräsident Richard von Weizsäcker richtet seine Worte als "Außenstehender" an die Zuhörer. Er lobt, dass "dank der Medien, Missstände nicht verborgen bleiben", und warnt zugleich vor der "Berlusconisierung der Politik durch die Medien" - der Tatsache, dass Politik verkaufbar und zu einem Geschäft gemacht wird. Ein Grund für von Weizsäcker, einmal mehr auf den Anspruch der Evangelischen Medienakademie zu verweisen, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Medienmachern "ein Mindestmaß an Ethik" zu vermitteln.

Auch Sonia Mikich, ARD-Korrespondentin in Paris, lässt kein gutes Haar am eigenen Berufsstand. Als Korrespondentin beklagt sie die Trivialisierung der Auslandsberichterstattung: "Es muss knallen, dramatisch oder bunt sein." "Ausland light" nennt sie die "kalorienverminderte Nachrichtenbrause", die derzeit gebraut wird. Letztendlich wünscht sie sich die Zeit zurück, "als der Korrespondent die Welt noch wirklich ins Wohnzimmer brachte". Ihre medienkritische Rede bringt der Bundesverdienstkreuzträgerin tosenden Beifall fast aller Zuhörer ein. Nur der eine oder andere schaut etwas pikiert drein, galt die Kritik doch indirekt auch ihm. Doch Freiheit, Unabhängigkeit und einen eigenen Standpunkt, versucht die Evangelische Medienakademie ihren Schülern zu vermitteln: Sonia Mikich ging mit gutem Beispiel voran.

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