Berlin : Ex-Hauseigentümer soll Rechnungen fingiert haben

Berlin - Mit Gustav Sommer an der Seite wollte sich Naci Y. in der Immobilienbranche wohl eine goldene Nase verdienen. Nun sitzt er gemeinsam mit dem Mann, der beim Berliner Mieterverein als einer der schlimmsten Häuser-Spekulanten gilt, vor Gericht. Während Sommer im Prozess um betrügerische Machenschaften zulasten einer Eigentümergemeinschaft schwieg, fuhr Y. am Freitag schwere Geschütze gegen Sommer auf. „Es war seine Idee, künstliche Forderungen zu kreieren, um Geld in die Kasse zu bekommen“, meinte der Ex-Verwalter der Wohnungseigentümergemeinschaft.

Sommer gehörten einmal rund 500 Häuser und Wohnungen in Berlin und Stralsund. Bekannt wurde er dadurch, dass er seit den 1980er Jahren Mieter und Miteigentümer der von ihm geführten Häuser mit Klagen überzog. Da ging es um angeblich nicht fachgerecht ausgeführte Schönheitsreparaturen oder angeblich nicht bezahlte Gebühren und Wohngelder. Gegen Sommer kam es immer wieder zu Strafverfahren. Bis zum Prozess aber vergingen mehrfach Jahre. Wegen Überlastung der Justiz, hieß es. Jetzt ist Sommer nach eigenen Angaben Rentner und sitzt wegen mutmaßlicher Untreue zwischen Ende 2003 und August 2004 auf der Anklagebank.

Der 66-jährige Sommer und der 44-jähriger Y. sollen Gelder einer Weddinger Eigentümergemeinschaft in Höhe von 276 000 Euro abgezockt haben. Dabei hätten Sommer und Y. ihre Stimmenmehrheit in der Eigentümerversammlung ausgenutzt. Naci Y. bestätigte das nun mit scharfen Attacken gegen den Ex-Makler. Für angebliche Wasserschäden in drei Sommer-Wohnungen sei die Eigentümergemeinschaft zur Kasse gebeten worden. „Ob die Forderungen berechtigt waren, wusste ich nicht“, sagte der damalige Verwalter. „Ich habe mich zum Strohmann von Sommer machen lassen, war seine Marionette.“ Y. und dessen Familie hatten 1999 insgesamt 13 Wohnungen in dem Haus gekauft.

Mit ihrer Mehrheit hätten sie ständig neue Beschlüsse gefasst, erklärte Y. – mit einer „Überrumpelungstaktik“ gegen die Minderheit. Zahlte einer der Miteigentümer nicht, wurde er verklagt. Die Minderheit sollte nach Aussage von Kaufmann Y. ausgenommen und aus dem Haus gedrängt werden. Sommer habe auch ein Architektenbüro ins Spiel gebracht. „Ein Scheinvertrag, um Rechnungen zu produzieren“, sagte Y. Als er sich dann 2005 von Sommer trennte, sei er selbst mit Klagen überzogen und in den Ruin getrieben worden. Der Prozess geht Mittwoch weiter. K.G.

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