Berlin : Ex-Linker macht jetzt Bildungspolitik bei der CDU

Gerhard Schmid galt früher als der „Dutschke von Augsburg“

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Alte GEWMitglieder reiben sich die Augen: Ausgerechnet einer der vehementesten Streiter für das Lehrer-Streikrecht, ihr langjähriger Referatsleiter Gerhard Schmid, ist zum neuen bildungspolitischen Sprecher der Berliner CDU auserkoren worden.

Damit aber nicht genug. Schmid war mal ein ganz Wilder: 1972 hatte er als angehender Lehrer sogar Berufsverbot in Bayern erhalten und musste nach Berlin auswandern, um überhaupt eine Stelle im Staatsdienst zu bekommen. Was man ihm vorwarf? „Ich galt als der ,Dutschke von Augsburg‘, als Symbolfigur der APO“, erinnert sich Schmid, der auch keinen Hehl aus seinen damaligen „anarchistisch-marxistischen Positionen“ macht. Viel demonstriert habe er damals: gegen die Notstandsgesetze, gegen den Vietnamkrieg, gegen Axel Springer. Allerdings würde er viele Flugblätter aus der damaligen Zeit „heute nicht mehr unterschreiben“.

Ansonsten hat Schmid keine Probleme mit seiner bewegten Vergangenheit und betont, dass er auch damals „immer gegen Gewalt gewesen ist“. Und die Sache mit dem Lehrer-Streikrecht? Nun ja, er fand, dass Lehrer keine Beamten sein müssten, und wer nicht Beamter ist, kann ja streiken. Da die Lehrer aber nun mal Beamte geblieben seien, dürften sie eben nicht streiken. Und deshalb gehört er als jetziger Leitender Schulrat von Friedrichshain-Kreuzberg auch zu den schärfsten Vorgesetzten, wenn es gilt, streikenden Lehrern mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen zu drohen.

Mit den Bayern hat er sich längst ausgesöhnt. Schmid hat seinen Hauptwohnsitz in Rosenheim behalten und trat 1999 sogar der CSU bei. „Was Gerhard Schmid macht, das macht er eben 150-prozentig“, sagt der ehemalige GEW-Chef Erhard Laube im Rückblick. Auch die CDU hat keine Probleme mit der Vergangenheit des neuen Sprechers ihres „Forums Schulpolitik und berufliche Bildung“. Sein Vorgänger Stefan Schlede schätzt Schmid, der im übrigen als ziemlich rechthaberisch gilt, als „ausgesprochen engagierten Bildungsfachmann“. sve

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