Exil-Iraner : Mit Kerzen und Rosen für den Frieden

Protestdemo gegen Gewalt im Iran. In Berlin folgten nach Polizeiangaben 350 Menschen dem Aufruf und kamen um 13 Uhr zur Kundgebung an den Potsdamer Platz. Mit 1000 Teilnehmern hatten die Veranstalter gerechnet.

Anna Corves

Das Foto eines jungen Mannes mit grünem Schal und grünem Stirnband, davor ein Berg weißer Rosen: Sohrab Arabi, 19 Jahre alt, ein Opfer der Demonstrationen im Iran nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen am 12. Juni. Und ein Symbol des „Globalen Aktionstags für Iran“, zu dem sich am Sonnabend Menschen in mehr als 100 Städten weltweit versammelt haben, um ihre Solidarität mit den demonstrierenden Iranerinnen und Iranern auszudrücken.

In Berlin folgten nach Polizeiangaben 350 Menschen dem Aufruf und kamen um 13 Uhr zur Kundgebung an den Potsdamer Platz. Mit 1000 Teilnehmern hatten die Veranstalter gerechnet. Amnesty International appellierte an die Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft, den Druck auf die iranische Regierung zu erhöhen. Mit Bildern von festgenommenen Journalisten verwiesen Reporter ohne Grenzen auf die unterdrückte Meinungsfreiheit im Iran.

Die Veranstalter betonten, dass der „Globale Aktionstag für Iran“ keine parteipolitische Veranstaltung sei. Die Teilnehmer der Kundgebung wurden gebeten, auf entsprechende Symbole und Parolen zu verzichten. Dennoch wurde deutlich, wie uneinheitlich die Oppositionsbewegung der Exiliraner ist. Manche hielten grüne Luftballons hoch, Grün, die Farbe der Unterstützer des gemäßigten Reformpolitikers Mussawi. Andere forderten auf Schildern die Abschaffung der islamischen Republik, für sie wäre ein iranischer Präsident Mussawi kein Fortschritt gewesen. Die Iranerin Haydeh Azadi, die vor 24 Jahren aus politischen Gründen aus dem Iran nach Berlin floh, bedauert diese Zersplitterung: „Alle Iraner müssen jetzt zusammenhalten und ihr Volk unterstützen, egal, ob sie gemäßigte oder weiter gehende Forderungen haben.“

Für 15 Uhr zog ein von der Veranstaltung unabhängiger Demonstrationszug vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor. 600 Personen nahmen nach Polizeiangaben daran teil. Am Brandenburger Tor sind seit Freitag bis noch heute 9 Uhr 90 ehemalige politische Gefangene aus dem Iran im Hungerstreik. Sie fordern die Freilassung aller politischen Gefangenen und die Abschaffung von Folter und Todesstrafe. Für Samstag war dort eine Lichterkette geplant, wie sie schon am Abend zuvor stattgefunden hatte. Dabei wurden Kerzen verwendet. Dies hatte die Polizei im Vorfeld verboten. Der Grund: Wachsrückstände könnten die öffentliche Sicherheit gefährden. Nach Aussage von Veranstalter Lutz Bucklitsch wurde auf diese Auflage hingewiesen, dann wurden aber doch Kerzen angezündet. Die Polizei sei nicht eingeschritten. Anna Corves

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