Exklusiv : Golfer verlieren die Etikette

Der Vorstand des in Wannsee ansässigen Goldclubs beklagt "diffamierende Angriffe" aus eigenen Reihen. Er tritt gesammelt zurück. Favorit für den neuen Vorsitz ist Roland Specker.

Ewald B. Schulte
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Schlag auf Schlag. Entspannt geht es im Golfclub Wannsee zurzeit nur noch auf dem Grün zu. Die Mitglieder des 1895 gegründeten...

Schwere Turbulenzen erschüttern den altehrwürdigen Golfclub Berlin-Wannsee. Der erst seit Februar amtierende Vorstand um den 1. Vorsitzenden Jan H.-G. Oelmann hat jetzt das Handtuch geworfen. In einem Schreiben an alle Mitglieder des 1895 gegründeten Golf- und Land-Clubs Berlin-Wannsee e. V. (GLCBW), das dem Tagesspiegel vorliegt, begründet Oelmann den Schritt mit „unsachlichen und diffamierenden schriftlichen und verbalen Angriffen“ aus den Reihen der Mitgliedschaft gegen den Vorstand. Diese zuletzt noch verstärkten Angriffe seien „für uns Vorstandsmitglieder sowie für unsere Familien und Kinder zu einer unerträglichen Belastung geworden“. Eine weitere Arbeit für den Club sei für ihn „unter diesen Umständen nicht zumutbar“. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 2. September müsse ein neuer Vorstand gewählt werden.

Auslöser des ganzen Troubles ist der – zwischenzeitlich gescheiterte – Versuch der Vereinsführung, für 4,7 Millionen Euro die Anlage des Golf- und Country-Clubs Motzen zu übernehmen. Ohne die Mitglieder vorab einzubinden, hatten Vorstand Oelmann, Vereinspräsident Roland Specker und Geschäftsführer Michael Siebold Kaufverhandlungen mit dem Besitzer der Motzener Anlage, der „Club Corporation of Asia International“ (CCA) des Berliner Kaufmanns und Capital-Club-Initiators Dieter R. Klostermann, aufgenommen. Der weitgehend vermögenslose Motzener Club, zu dessen aktiven Mitgliedern seit Jahren auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zählt, ist mit knapp 1,3 Millionen Euro bei der CCA verschuldet.

Rein sportlich hätte der Wannsee-Club, der sich in den vergangenen Jahren vor allem in der Jugendarbeit einen Namen gemacht hat, von der Übernahme durchaus profitieren können. Denn die im Jahr 1923 angelegte eigene parkähnliche Anlage ist zwar halbwegs seniorenkompatibel, doch wird sie – anders als der Golfplatz in Motzen, der von der CCA jetzt noch einmal erweitert wird – den Ansprüchen junger Hochleistungsgolfer schon längst nicht mehr gerecht.

Aber schon die ersten Gerüchte über die am 20. Februar vom Vorstand vertraglich besiegelte Motzen-Übernahme lösten bei vielen Wannsee-Mitgliedern helle Empörung aus. Der Vorstand habe seine Kompetenzen überschritten, er hätte vorab die Mitglieder informieren und deren Genehmigung einholen müssen. Im Fall der Motzen-Übernahme drohe eine millionenschwere Verschuldung, die gegebenenfalls nur durch eine saftige Erhöhung der Mitgliedsbeiträge von derzeit gut 1500 Euro wieder abgebaut werden könne. Und das in einer Situation, wo bereits die – von einigen Club-Mitgliedern als deutlich überteuert empfundene – Anpachtung des Wannsee-Geländes mit hohen Belastungen zu Buche schlage. Unter den auch um den exklusiven Status „ihres“ Clubs besorgten Mitgliedern machten selbst Spekulationen die Runde, wonach der Millionen-Deal mit Motzen womöglich nur als Basis für verdeckte, aber einträgliche In-sich-Geschäfte dienen könnte.

Angesichts von so viel Häme – und angedrohter Anfechtungsklagen – gab der Vorstand um Oelmann das Projekt entnervt auf. Am 22. Juni machte er den Kaufvertrag rückgängig. Damit aber wurde eine vorher vereinbarte „Aufwandsentschädigung“ in Höhe von 50 000 Euro zugunsten der CCA fällig, was unter den Wannsee-Mitgliedern prompt neue Debatten über die „vermeidbaren“ Kosten des gescheiterten Projekts entfachte. Das aber wollte sich Oelmann nicht länger antun: Er ließ den Betrag „zuzüglich Umsatzsteuer“ umgehend aus seinem Privatvermögen anweisen – und verfasste sein Rücktrittsschreiben.

Besonnene Kräfte des Clubs versuchen nun, die verfeindeten Lager wieder miteinander zu versöhnen und auf eine gemeinsame Vorschlagsliste für die Vorstandswahl am 2. September einzuschwören. Als heißer Kandidat für das Amt des Ersten Vorsitzenden gilt dabei Club-Präsident Roland Specker, der erst kürzlich einmütig zum Ehrenmitglied des GLCBW ernannt wurde. Damit aber steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die so umstrittene MotzenÜbernahme im Club wieder auf die Tagesordnung kommt. Denn „das Projekt Motzen“, so ein Insider, war „eindeutig Speckers Baby“.Ewald B. Schulte

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