Experten beschreiben Berliner Schätze : Zum Fechten viel zu schade

Es ist mit Blüten, Ähren, Weinlaub und Tierfiguren verziert: Wallensteins Schwert ist im Zeughaus Unter den Linden zu besichtigen. Gekämpft hat der kaiserliche Feldherr damit nie.

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Weiß alles über Wallensteins Schwert im Deutschen Historischen Museum: Sven Lüken, Leiter der Waffensammlung. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Weiß alles über Wallensteins Schwert im Deutschen Historischen Museum: Sven Lüken, Leiter der Waffensammlung.Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Vergoldeter Griff, aufwendige Verzierungen – dieser Degen war schon zur Zeit von Wallenstein ein exklusives Stück“, sagt Sven Lüken, Leiter der Waffensammlung des Deutschen Historischen Museums (DHM). Der 53-jährige Historiker steht vor einer Tischvitrine in der Ausstellung zum Dreißigjährigen Krieg im Zeughaus Unter den Linden und deutet auf eine Stichwaffe, die gut gesichert unter Glas auf historischen Karten der damaligen Kriegsparteien liegt. Den Knauf und das Gefäß, wie die Griffschale des Degens im Fachjargon heißt, haben Meister des Eisenschnitts im 17. Jahrhundert mit kleinen Feilen und Meißeln in ein Kunstwerk verwandelt. Den Griff schmücken zahllose Blüten, Ähren, Weinlaub und Tierfiguren. Doch auch die Klinge ist ein meisterhaftes Stück, sie stammt aus der einst renommierten Werkstatt des italienischen Degenbauers Antonio Piccinino. Sven Lüken hat keine Zweifel: „Diese Waffe gehörte früher einer bedeutenden Persönlichkeit.“ Wer den Degen trug, weiß man seit 1922 dank der Dissertation eines Doktoranden, der sich die Verzierungen für seine Arbeit genauer anschaute als jeder andere zuvor. Er entdeckte am Knauf ein Wappen mit dem springenden Löwen der Familie Wallenstein und dem Adler des Gutes Friedland, das Wallenstein gehörte.

Möglicherweise war der Degen ein Geschenk des Kaisers Ferdinand II. Dies lässt sich zumindest aus der lateinischen Inschrift auf der Klinge schließen. „Fide Et Obsequio“ heißt es da, zu Deutsch: Durch Glaube zum Gehorsam. Schließlich zog Wallenstein als Feldherr Ferdinand II. für die Interessen der katholischen Habsburger in den Krieg. Wer den Degen nach Wallensteins Ermordung 1634 an sich nahm, ist unklar. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts taucht er wieder auf. Damals erwarb ihn Prinz Carl von Preußen für seine legendäre Waffensammlung. In seinem Palais an der Berliner Wilhelmstraße besaß der Bruder Kaiser Wilhelms I. mehr als 1000 Waffen aus vielen Jahrhunderten. Als er 1883 starb, wurde die Kollektion an das Waffenmuseum im Zeughaus Unter den Linden verkauft und dort 1990 vom Deutschen Historischen Museum übernommen. Einen Schönheitsfehler hat der Degen aber: Die Spitze ist irgendwann abgebrochen. „Nicht so schlimm“,sagt Historiker Sven Lüken. „Das ist eine Zierwaffe. Damit hat wohl nie jemand gefochten.“ Christoph Stollowsky

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