Experten erwarten Klageflut : Harter Kampf ums Wunschgymnasium

Die Winterferien sind vorbei, doch nun beginnt der Kampf um die Plätze an Berlins Oberschulen, zum ersten Mal entscheidet in diesem Jahr nicht der kürzeste Anfahrtsweg: Berliner Eltern erhalten in den nächsten Wochen die Bescheide, ob ihre Schulwahl klappt.

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Ade Winterferien, hallo neues Schulhalbjahr – an diesem Montag kehren die Berliner Schüler in ihre Klassenzimmer zurück. Für viele Mädchen, Jungen und ihre Eltern beginnt mit dem neuen Halbjahr aber auch die heiße Phase im Kampf um einen Platz an ihrer Wunschoberschule. Das Anmeldeverfahren startet heute. In den bezirklichen Schulämtern wächst jedoch die Sorge vor einer Klagewelle der Eltern, wenn demnächst die Bescheide versandt werden und Kinder womöglich nicht an der gewünschten Sekundarschule oder am gewünschten Gymnasium aufgenommen werden.

Grund für die Unruhe sind neue Aufnahmekriterien an den Oberschulen. Danach wählen die Schulen 60 Prozent der Jugendlichen selbst aus, wobei die bisherigen Noten entscheidend sind, 30 Prozent der Plätze werden verlost und zehn Prozent gehen an Härtefälle. Besonders folgenreich: Das Wohnortprinzip wurde abgeschafft, wonach ein kurzer Weg zur Schule ausschlaggebend für die Platzvergabe war. Stark nachgefragte, vermeintlich gute Gymnasien befürchten deswegen nun einen Bewerberansturm aus der ganzen Stadt. Es wird erwartet, dass viele Eltern mit allen rechtlichen Mitteln um die begehrten Plätze kämpfen.

Günter Peiritsch, der Vorsitzende des Landeselternausschusses, hält das für bedenklich: „Das wird ein Kampf von Eltern mit Juristen gegen Eltern ohne Juristen.“ Viele erfolgreiche Klagen könnten zudem zu größeren Klassen führen. Peiritsch fordert, lieber die Losquote auf 50 Prozent zu erhöhen. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hält das neue Anmeldeverfahren hingegen für „transparent und wesentlich gerechter als vorher“.

Der bildungspolitische Sprecher der Berliner Grünen, Özcan Mutlu, sieht das anders: „Diese ganzen Übergangsregelungen führen zu Chaos.“ Er bezweifele, dass es mit den neuen Kriterien eine Rechtssicherheit geben werde. Eltern, die sich mit ihren Rechten auskennen würden, sagte Mutlu, könnten sich besser durchsetzen als jene, die in diesen Fragen weniger Wissen und Erfahrung hätten. „Letztlich werden durch diese Regelungen die Eltern aus bildungsfernen Kreisen eingeschränkt“, sagte der Schulexperte dem Tagesspiegel.

Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Rose-Marie Seggelke, erklärte am Sonntag, sie gehe davon aus, dass sich durch die neuen Kriterien für status- und bildungsbewusste Eltern wenig ändern werde. „Solche Eltern haben sich auch bisher durchgesetzt“, sagte die Berliner GEW-Vorsitzende.

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