Berlin : Experten meinen: Verhungern muss eigentlich keiner

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Einen so tragischen Fall wie der jenes Arbeitslosen in Speyer, der amtliche Hilfen verweigert hatte und dann verhungert war, dürfte es in Berlin wegen seiner vielen Angebote theoretisch nicht geben. Dennoch mögen Sozialrechtsexperten nicht ausschließen, dass auch hier ein Mensch durch alle Raster fällt, weil er für die Behörden nicht zu erreichen ist. Bisher ist aber kein derartiger Fall in Berlin bekannt. Laut der Sozialstadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Martina Schmidhofer, sind die Hilfsangebote zwischen den einzelnen Behörden vernetzt und können frühzeitig einsetzen. Wenn den Mitarbeitern im Jobcenter ein Arbeitsloser auffalle, werde der Sozialdienst im Bezirksamt benachrichtigt. In schweren Fällen könne man den sozialpsychiatrischen Dienst einschalten.

Allerdings ist die Hilfe der verschiedenen Dienste nur möglich, wenn der Betroffene einwilligt. Der Datenschutz verbietet die Weitergabe von Akten an andere Behörden. „Es gibt aber Menschen, die sind nicht einsichtsfähig“, sagt Dieter Henke vom Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg. Diese lehnten jede Form von psychiatrischer Betreuung strikt ab. Hilfe könne es dann nur geben, wenn das soziale Umfeld der Menschen, beispielsweise die Nachbarschaft, funktioniert, sagt die Sprecherin der Sozialverwaltung, Roswitha Steinbrenner. Die Hilfsangebote seien so vielfältig, dass niemand verhungern müsse.Bei Verstößen kann Arbeitslosen nach Auskunft des Jobcenters Reinickendorf das Arbeitslosengeld II in Stufen gekürzt und vorübergehend gestrichen werden. Die Miete wird weiter gezahlt; auch Lebensmittel-Gutscheine können ausgegeben werden: „Wir lassen niemanden verhungern.“ sik

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