Berlin : Experten prüfen Bauprojekte

Senatsbaudirektorin beruft Kollegium

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat ein „Berliner Baukollegium“ berufen, in dem sie mit fünf weiteren Experten künftig über die Sicherung architektonischer Qualität diskutieren will. Das Gremium, das für die Dauer einer Legislaturperiode arbeiten soll, nimmt bei seinen turnusmäßigen Sitzungen einzelne große Bauprojekte unter die Lupe. Neben den Berliner Architekten Hilde Leon und Claus Anderhalten sind Iris Reuther aus Leipzig, sowie Daniel Niggli (Zürich) und Adolf Krischanitz (Wien) dabei.

Das Baukollegium soll nach dem Vorbildern in anderen Städten arbeiten. In Lübeck, Tübingen und Regensburg gibt es beispielsweise ähnliche Beiräte. Anders als in Berlin dürfen in Regensburg allerdings keine Vertreter dabei sein, die in der Stadt und dem dazugehörigen Landkreis leben und der Beirat fasst Beschlüsse, die für die Verwaltung bindend sind. Regensburg lässt sich das Kollegium pro Jahr rund 50 000 Euro kosten. Die Berliner Stadtentwicklungsverwaltung erklärte, die Mitglieder des Gremiums erhielten eine Vergütung im Rahmen „üblicher Beiratshonorare“. Summen könne die Verwaltung allerdings nicht nennen. Die Verträge seien noch nicht unterschrieben.

Dass auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) bei der ersten Sitzung dabei ist, provozierte heftige Kritik im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sieht in Gothes Auftritt ein „erhebliches Problem“: „Damit werden Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten verwischt und die permanente Einmischungspolitik der Senatsverwaltung mit einem neuen Mittel fortgesetzt.“ Hier werde ein Stadtrat bevorteilt, indem er nun auch über Projekte in anderen Bezirken mitentscheiden dürfe. Gothe entgegnet, er sei kein ständiges Mitglied der Kommission.

Kritik gibt es auch aus dem Abgeordnetenhaus. Robbin Juhnke, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU, fürchtet ein „Gremium für neue Geheimniskrämerei“ und bemängelt, dass über die Einsetzung des Beirats das Parlament nicht informiert worden sei. oew

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