Berlin : Experten rechtfertigen Investitionen gegen das Datumsproblem

Cay Dobberke

Entwarnung bei Energieversorgern, Banken und Sparkassen und in den Ämtern: Auch am Montag gab es kein "Jahr-2000-Problem", überall kam die Technik mit dem Datum zurecht. Trotzdem waren die vielen Millionen Mark, die für Tests und Modernisierungen ausgegeben wurden, laut Experten keine Fehlinvestition: Hätte man nichts getan, wären Probleme aufgetreten.

Erhebliche Mängel behob die Bankgesellschaft Berlin, zu der die Sparkasse und die Berliner Bank gehören. "Die Türen hätten sich nicht geöffnet", berichtete der Jahr-2000-Beauftragte Hans-Hermann Bindermann. Die elektronischen Zugangskarten der Mitarbeiter wären vom Steuerungsprogramm als ungültig eingestuft worden. Ebenso hätten Kunden außerhalb der Öffnungszeiten nicht in die Vorräume mit Geldautomaten gelangen können.

Zudem hätten Räuber ein leichteres Spiel gehabt. "Der Hersteller der Überwachungskameras hatte zugesichert, dass es keine Schwierigkeiten gebe." Tatsächlich aber "hätten sich die Kameras selber ausgeschaltet". Der Fehler sei behoben. "Schließlich hat jeder Bankräuber Anspruch auf ein ordentliches Bild", scherzte Bindermann. Ein skurrilles Problem drohte bei Kontoauszugs-Druckern. Auf den Kontoübersichten "wäre die Zahl 19 immer fett gedruckt worden".

Die Bankgesellschaft nahm im Rahmen der Umstellungen auch andere Modernisierungen vor. Zusammengerechnet investierte man einen "oberen zweistelligen Millionenbetrag". Das Institut nahm auch Großschuldner unter die Lupe und beriet sie, um Konkursen durch Computerfehler vorzubeugen. "Wir mussten aber nirgends um Forderungen bangen", so Bindermann.

Die ersten Geräte-Tests am Neujahrsmorgen hatten einen positiven Begleiteffekt: In der Berliner Bank an der Preußenallee in Westend wurde frühzeitig ein Wasserschaden entdeckt. Das Wasser stammte aus der Waschmaschine einer verreisten Mieterin und hatte schon Teile der Decke durchnässt.

Bei der Gasag wurde laut Sprecherin Josiette Honnef ein Jahr-2000-Fehler behoben, der eine der vier Übernahme-Stationen für Erdgas lahm zu legen drohte. Dank des Gasspeichers in Charlottenburg hätte man die Versorgung auch ohne diese Station aufrecht erhalten können, betonte sie. Ganz verschont blieb die Gasag vom Datumsproblem aber nicht: Eine Datenbank, in der die Pressestelle Zeitungsartikel archiviert, sprang gestern aufs Jahr 1900 um.

Was in den Behörden hätte passieren können, ist unklar. Vielleicht wären Rentner versehentlich zum Kita-Besuch eingeladen worden, meinte der Koordinator Karl-Heinz Löper. Da man unsichere Geräte früh ausgetauscht oder modernisiert habe, seien solche Fälle nicht einmal in Tests aufgetreten. Die Ämter investierten sieben bis acht Millionen Mark zuzüglich Personalkosten.

Eine Überraschung erlebte Löper an seinem Privat-PC von 1995. Ein Testprogramm meldete Probleme. Doch stattdessen erschien am 1. Januar auf dem Monitor ein gespeichertes Grußwort eines Programmierers: Alles sei in Ordnung - und er wünsche ein schönes neues Jahrtausend.

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