Berlin : Expertenrunde lehnt Ausweichrouten aus Sicherheitsgründen ab

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Die Love Parade findet am 8. Juli wieder im Tiergarten statt. Eine entsprechende Empfehlung an die Veranstalter ist das Ergebnis des so genannten Runden Tisches, zu dem Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) eingeladen hatte. Die Runde aus Vertretern des Senats, der Bezirke Tiergarten und Charlottenburg, der Polizei und der Veranstalter hatte bei möglichen Alternativrouten für das Raver-Spektakel zu viele Mängel festgestellt.

Sowohl gegen die Route Kaiserdamm/Bismarckstraße, als auch gegen die Alexander-, Holzmarkt- und Mühlenstraße sprächen vor allem Sicherheitsbedenken. Keine der Alternativstrecken sei vergleichbar gut mit Rettungsfahrzeugen zu erreichen, wie die Straße des 17. Juni durch den Tiergarten. Bei einer möglichen Massenpanik sei es für die Raver leicht möglich, in den Park zu flüchten. Entlang der anderen Strecken blieben nur die Seitenstraßen als Ausweichflächen. Bei der Strecke über den Kaiserdamm sei nicht klar, ob die Brücken auf der Route die Belastung mehrerer tausend Fußgänger und dutzender Techno-Laster aushalten. Außerdem seien umfangreiche und teuere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, damit bei der Brücke über die Stadtautobahn keine Raver auf die Schnellstraße springen.

Branoner sieht vor allem die Vorteile der Love Parade: So bringe der Riesen-Rave 300 Millionen Mark an "Kaufkraftzufluss" und übernehme ein weltweites Marketing für die Stadt. "Ohne Frage gibt es Belastungen für die Stadt und den Tiergarten, die wir mit unseren Lösungen begrenzen wollen", sagte Branoner. So soll erneut ein Mehrweg-Konzept für den Getränkeverkauf geprüft und ein kombiniertes Ticket angeboten werden, das als Fahrschein genauso gilt wie als Eintrittskarte für einen Club und eine Übernachtungsmöglichkeit.

Der Baustadtrat von Tiergarten, Horst Porath (SPD), ist indes enttäuscht über die Ergebnisse des Runden Tisches. Er sieht eine "fortwährende Demontage des Großen Tiergartens", um die sich der Senat nicht kümmere. Er glaubt nicht, dass die Alternativrouten hinreichend ernsthaft geprüft worden sind, die Schwierigkeiten bei der Tiergarten-Strecke im Gegenzug aber leichtfertig in Kauf genommen worden sind.

Mit der Entscheidung zur Beibehaltung der angestammten Strecke steht Branoners Runder Tisch auch im Gegensatz zu den Tagesspiegel-Lesern, die sich bei einer Befragung am vergangenen Wochenende mit 90,5 Prozent gegen die Love-Parade-Strecke im Tiergarten ausgesprochen hatten.

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