Berlin : Expo 2000: Frauen helfen Frauen - auch beim Besuch der Weltausstellung

CD

Für Hebatallah Ismail aus Kairo ist Deutschland nicht mehr fremd: "Ich war schon fünf oder sechs Mal hier, um Praktika zu machen", sagt die 24-Jährige in fließendem Deutsch, das sie auf einer deutschen Schule in ihrer Heimat gelernt hat. Die Ägypterin möchte Journalistin werden und machte zuletzt eine Hospitanz bei einer bayerischen Zeitung. Zur Expo in Hannover wollte die 24-Jährige dagegen eigentlich nicht anreisen. Aber dann entdeckte sie das Angebot auf den Internet-Seiten der Veranstalter: Die von Sponsoren getragene "Jugendinitiative Weltausstellung 2000" unter Schirmherrschaft von Christina Rau lädt 16- bis 26-Jährige zu Zwei-Wochen-Reisen mit Übernachtungen bei Gastfamilien ein.

Speziell Mädchen und Frauen widmet sich dabei der internationale Frauen-Club "Zonta". In 70 Staaten, in denen Zonta vertreten ist, konnten sich Interessentinnen bewerben, wobei es vor allem auf englische Sprachkenntnisse ankam. Berliner Mitglieder übernahmen für alle deutschen Clubs die Koordination. Sie beherbergen bei sich außerdem ein Dutzend der mehr als 80 Besucherinnen aus 17 Staaten, für die Zonta alle Kosten übernimmt. Das sei ganz im Sinne des Club-Gedankens: "Frauen unterstützen Frauen weltweit", sagt Gabriele Fritsch-Vivié, eine der Organisatorinnen.

Nicht vorhergesehen hatte man bei der Planung die jüngste Diskussion um Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. "Darüber steht manchmal auch etwas in den ägyptischen Zeitungen", erzählt Hebatallah Ismail. Sie selbst sei nie belästigt woren. "Aber ich habe etwas Angst vor der Ex-DDR." Eines sei jedenfalls klar: "Die Leute sind hier nicht so an Touristen gewöhnt wie bei uns."

Erstmals kamen nun die 21-jährige Englisch-Studentin Eugenia Ignatjeva aus Kiew und die 15-jährige Schülerin Lena Anastasieva aus Moskau nach Deutschland. "Ohne das Jugendprojekt hätten wir nicht kommen können", sagen sie, die Reise wäre zu teuer gewesen. Angst vor Fremdenfeindlichkeit haben sie nicht. Beim zweitägigen Expo-Besuch gefiel ihnen die Weltausstellung sehr gut, vor allem der deutsche und der EU-Pavillon. In Berlin gibt es für die jungen Frauen ein Besichtigungsprogramm mit allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, das von der Agentur "Partner für Berlin" organisiert wird. Auch für die in anderen Bundesländern untergebrachten Teilnehmerinnen zählen Abstecher nach Berlin zum Programm. Nur eine Gegenleistung wird verlangt: In ihren Heimatländern sollen alle Teilnehmerinnen den örtlichen Zonta-Clubs über die Reise berichten.

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