Berlin : Exzellenzen löchern Wolf beim Lunch

Elisabeth Binder

Die Kulisse legt nahe, dass Berlin längst über den Berg ist: Drei schwere Kristalllüster illuminieren eine lange, mit gelben Rosenblättern bestreute Tafel im Ballsaal des Ritz-Carlton. Mania Feilcke, Präsidentin des Ambassadors Club, begrüßt 24 Botschafter, die gespannt warten auf den englischsprachigen Vortrag von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) zum Thema: „Wie Berlin die Kurve kriegt…“ Und nein – „the big turnaround“ ist noch nicht geschafft. Tomatenterrine und Rinderfilet sind Sponsoring-Gaben des Hotels.

In den Eingangsbemerkungen des Senators (dunkelblaue Krawatte zum dunklen Anzug) wechseln die bekannt deprimierenden Zahlen zum Thema Arbeitslosigkeit und Verschuldung mit hochfliegenden Visionen. Von den großen Erwartungen nach der Wiedervereinigung geht es über die ökonomische Depression bis zu aktuellen Hoffnungsschimmern: die vielen jungen Leute in der Stadt; die wachsenden Touristenzahlen; vor allem die geopolitischen Standortvorteile: „Berlin ist näher an Minsk als an Rom“ – ja doch, ein großer Vorteil, um in einer historischen Situation neue Märkte in Osteuropa zu erschließen. Berlin sei offen für die Bedürfnisse von Investoren. Es gehe vor allem darum, neuen Firmensitzen auf den Weg zu helfen.

Zwei Stunden dann reichen kaum für die vielen Fragen der Botschafter. Warum man sich mit der Bundesregierung über die Übernahme von Berliner Schulden vor Gericht einigen müsse, will Jose Artur Medeiros aus Brasilien wissen. Das mache es leichter, die Entscheidung vor den anderen Bundesländern zu rechtfertigen, sagt Wolf sinngemäß. „Wir sind sehr erfreut, dass Sie sich dieser Art von Untersuchungskommission stellen“, sagt Medeiros mit Blick auf die versammelten Exzellenzen. „Berlin ist ein guter Ort für so was“, gibt Wolf zurück. Immer wieder kommen Fragen nach besseren Flugverbindungen, Einwanderungsbedingungen, Frauenförderung. Sechs Botschafterinnen sind anwesend, die Vertreterin Zimbabwes lobt den Berliner Verkehr und die unentgeltlichen Universitäten und fragt einige Gläser Wein später, wie man das Wetter verbessern könne. „Das ist nicht unsere Sache“, sagt Wolf. „Da müssen Sie sich an die Bundesregierung wenden.“

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