Berlin : Fach Ethik: Kirchen halten sich zurück

Sigrid Kneist

Nach den Bedenken des Senats wollen die evangelische und die katholische Kirche nach neuen Wegen suchen, wie sie ihr Infoblatt für den Religionsunterricht als Wahlpflichtfach und gegen den verpflichtenden Werteunterricht verteilen können. Die Verwaltung von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hatte die kirchliche Initiative, die Flyer an Schulen zu verteilen, aufgrund des Neutralitätsgebots als problematisch bezeichnet. In dem Faltblatt kritisieren die Kirchen: „Mit einem Einheitsfach Ethik verfehlt der Staat den Bildungsauftrag.“

Zunächst war unter anderem geplant, den Flyer in den Schulsekretariaten auszulegen, damit sich Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder über die Haltung der Kirchen informieren können. „Das wird es bei uns nicht geben“, sagte Stefan Förner, Sprecher des katholischen Erzbistums. „Auch wenn wir eine andere Rechtsauffassung vertreten, werden wir nach neuen Lösungen suchen.“ Förner hält es für möglich, den Flyer über die Religionslehrer per Post an Schüler und Eltern zu verteilen. Auch die evangelische Kirche will auf das Auslegen der Faltblätter in den Schulen verzichten, wenn die Verwaltung bei ihrer Haltung bleibt. „Wir werden noch Gespräche führen“, sagte der Sprecher der evangelischen Kirche, Markus Bräuer. Die Kirchen lehnen den verpflichtenden Ethikunterricht ab, weil sie fürchten, dass der freiwillige Religionsunterricht verdrängt wird.

Unterdessen haben sich SPD und PDS gestern darauf verständigt, dass Bildungssenator Böger so schnell wie möglich den Gesetzentwurf zum Ethikunterricht im Senat vorlegen soll. Dies wird bis Anfang Februar geschehen, sagte die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Felicitas Tesch. Anschließend soll das Gesetz im Abgeordnetenhaus eingebracht werden. Aber schon vor der Verabschiedung des Gesetzes soll es Fortbildungen für die Lehrer geben: „Denn an Inkompetenz darf der Unterricht nicht scheitern.“ Noch ist allerdings keine Entscheidung über den Namen des künftigen Faches gefallen: „Ethik“ oder „Ethik und Kulturen“, wie es die PDS favorisiert. Die Überarbeitung des Rahmenplanes soll die Bildungsverwaltung übernehmen.

Die Islamische Föderation, die an 33 Grundschulen Islamkunde für 4400 Schüler erteilt, plant keine Werbeaktion wie die Kirchen. Ihr Sprecher Burhan Kesici sagte, man sei nicht an den Oberschulen vertreten, in denen Ethik künftig unterrichtet werden soll.

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