Berlin : Fachlicher Rieseneinbruch: Die Gesundheitssenatorin verliert ihren Steuermann

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Senatorin Gabriele Schöttler (SPD) muss sich einen neuen Staatssekretär für Gesundheit suchen. Klaus-Theo Schröder (SPD), der erst seit zehn Monaten ihre wichtigste Stütze ist, geht als Spitzenmanager zur Rhön-Kliniken AG in Neustadt an der Saale (Bayern), für die er zunächst "regionale Verantwortung" in Nordrhein-Westfalen übernehmen soll. Der Termin ist noch offen. Das Unternehmen sei "zeitlich flexibel, Frau Schöttler wird das mit dem Regierenden Bürgermeister besprechen", sagte Schröder.

Die Nachricht von seinem Weggang wurde gestern als Paukenschlag empfunden. Er habe aber bereits vor einiger Zeit mit Frau Schöttler darüber gesprochen, betonte Schröder. Mit 52 reize ihn "eine neue Perspektive für das letzte Drittel meiner Berufszeit". Er könne "diese Herausforderung besten Gewissens annehmen, das Werkstück ist so gut wie fertig". Er meinte die Zusammenfassung der städtischen Krankenhäuser unter dem Dach einer GmbH und auch die Zusammenlegung des Krankenhauses Zehlendorf mit dem Oskar-Helene-Heim. Damit ist ihm in wenigen Monaten geglückt, was jahrelang aussichtslos erschien. Doch bleibe Gesundheitspolitik ein schwieriges Feld, so Schröder.

Frau Schöttler war gestern nicht in Berlin. In der Fragestunde des Abgeordnetenhauses bedauerte Bürgermeister Klaus Böger (SPD) den Weggang Schröders, "aber das hat man hinzunehmen." Er sehe nichts Schlechtes in dem Wechsel zu einem privaten Krankenhausträger und sei "sicher, dass keine unzulässige Vermischung oder Beeinflussung" stattgefunden habe.

Schröders Entscheidung ist vielen ein Rätsel, zumal von Differenzen zwischen ihm und seiner Senatorin nicht die Rede ist. Enttäuscht äußerte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Monika Helbig: "Ich bin fassungslos, nach meinem Selbstverständnis steht man für eine Wahlperiode zur Verfügung." Schröder "hinterlässt eine Riesenlücke, das ist fachlich ein Rieseneinbruch". Womöglich habe ihn das hiesige politische Pflaster genervt, denn es sei kompliziert, alle unter einen Hut zu kriegen. Vielleicht finde man einen Top-Nachfolger, der "nicht der Berliner Szene verhaftet ist". Schröder meinte nur, jede Reform werde von Verunsicherung und Emotionen begleitet, erst recht im Gesundheitswesen.

Staatssekretäre werden vom Senat berufen und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Schröder geht auf eigenen Wunsch. Unklar ist daher, ob ihm der Senat Pensionsansprüche zubilligt. Der promovierte Diplom-Ingeuer und Ökonom war früher Spitzenbeamter in Nordrhein-Westfalen und Staatssekretär in Thüringen.

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