Berlin : Fahnder hatten schwarzen Riesen schon länger im Visier

Eine Spezialtruppe der Polizei konzentriert sich bei ihrer Arbeit ganz auf ein einziges Ziel – mit Erfolg. Der Täter hat gestanden

-

Er hat gestanden. Noch sind nicht alle 17 Raubüberfälle auf Videotheken, Tankstellen und Supermärkte, die man ihm vorwirft, im einzelnen erörtert. Aber Inspektionsleiter Manfred Schmandra ist sicher, dass die Polizei mit dem 21jährigen Schwarzafrikaner Emmanuel W. , der am Freitagabend in Hannover festgenommen wurde, den einzigen und wahren „Schwarzen Riesen“ gefasst hat. Als Motiv für seine Überfälle, bei denen nach Polizeiangaben „unter 20 000 Euro“ erbeutet wurden, gab der Mann an, Geld für eine Heimreise nach Sierra Leone zu bekommen.

Emmanuel W. habe Täterwissen preisgegeben genau zu denjenigen Fällen, bei denen bislang ein Mann aus Gambia als Täter galt. Dieser 31-Jährige, gegen den noch immer Haftbefehl besteht, ist damit entlastet. Das Geständnis müsse noch ausgewertet werden, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Wolke.

Seit dem 11. März, kurz nachdem das Foto einer Überwachungskamera von einem Überfall veröffentlicht worden war, hatten Zielfahnder schon die Spur aufgenommen. Die Kamera in der Elf-Tankstelle an der Rhinstraße in Marzahn hatte gestochen scharfe Bilder geliefert, die als Film auch in der „Abendschau“ liefen. Zuvor hatte es zwar auch Fotos von Kameras gegeben, aber die waren zu schlecht, zu konturlos. Mehr als 50 Hinweise gingen nun ein, und fast alle deuteten nur auf einen einzigen Mann hin. Die Zielfahnder hörten sich in der Rapperszene um, aus der Hinweise kamen. Dort hatte sich der 1,90 Meter große Mann erfolglos um Ansehen bemüht. Bekannt waren sein Drang nach einem gepflegten Äußeren, aber auch seine Geldknappheit. BVG und Polizei erwischten ihn beim Schwarzfahren. Emmanuel W., vor zehn Jahren als Bürgerkriegsflüchtling nach Berlin gekommen, hatte in Rudow und Lichtenberg gewohnt, seit einem Jahr aber keine feste Meldeanschrift mehr. Vor zwei Monaten musste er die Wohnung eines Bekannten verlassen, weil er nichts bezahlte. Vorübergehend kam er in einem Hotel in Friedrichshain unter. Als er sein Bild in der Abendschau sah, packte er sofort den Koffer. Ihm fielen Bekannte ein, die in Belgien wohnten, dort wollte er hin.

Am 14. März wurde internationaler Haftbefehl erlassen, am 19. März schaltete sich ein Intensivfahndungskommando des Landeskriminalamtes ein. Die Polizei konnte der Spur bis Belgien folgen und ermittelte, dass Emmanuel W. am 21. März wieder nach Deutschland gekommen war, nach Hannover. Auch dort wohnten Bekannte. Die Polizei observierte zwei Häuser, bei einem war man sicher, ihn zu schnappen. Freitagabend klopften die Berliner Fahnder, begleitet vom Spezialeinsatzkommando Hannover, höflich an die Wohnungstür, Emmanuel W. öffnete und ließ sich widerstandslos festnehmen. „Ich habe damit gerechnet, wollte mich schon stellen“, sagte er. In den nächsten Tagen wird er nach Berlin überstellt. Der große dunkelhäutige Mann, der bei seinen Taten so verblüffend höfliche Umgangsformen pflegte, dass ihm die Öffentlichkeit fast nichts mehr verübelte, hatte monatelang die Schlagzeilen bestimmt. Fast wie vor zehn Jahren Kaufhaus-Erpresser „Dagobert“, der schlitzohrig die Polizei narrte, gewann der „Schwarze Riese“ mit jeder Tat an Popularität. C. v. L.

0 Kommentare

Neuester Kommentar