Berlin : Fahndung nach Drohung: Lebenszeichen in der Musikabteilung

Holger Stark

Elf Monate lang fahndet die Polizei schon nach Olaf Jürgen Staps. Mehr als hundert Hinweise arbeiteten die Ermittler ab - ergebnislos. Der vierzig Jahre alte Staps hatte im Januar gedroht, beim Gedenken der PDS an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht eine Handgranate detonieren zu lassen. Seitdem war er spurlos verschwunden. Aber jetzt gibt es auf einmal doch wieder ein Zeichen: Eine Kommilitonin von Staps gab an, den Gesuchten am 11. November getroffen zu haben: bei Saturn am Alexanderplatz.

Staps, so erzählt die Frau, habe in der Musikabteilung gestanden. Er sei, wie früher, leicht ungepflegt gewesen, mit braun-schwarz gefärbten Haaren und einem flackernden Blick. Staps habe CDs gehört. Und dann sei er wieder verschwunden.

Der Hinweis elektrisierte die Fahnder. Denn obwohl die Polizei "aktiv nach Staps fahndet", wie ein Ermittler sagt, gibt es keinen einzigen anderen Hinweis darauf, wann er sich wo aufgehalten haben könnte. Der letzte sichere Anhaltspunkt ist ein Schreiben, das der ehemalige Student im April dem Tagesspiegel schickte. "Danach waren alle Spuren wie abgeschnitten", sagt ein Personenfahnder im Landeskriminalamt.

Die Polizei steht unter Erfolgsdruck: In vier Wochen steht das alljährliche Luxemburg-Gedenken an. Sollte Staps wieder drohen, stehen die Beamten vor der heiklen Frage, ob das Gedenken wieder unter Polizeischutz stattfinden muss. Denn seit Staps sich nach einem Streit mit seinem Vermieter von der PDS-Baustadträtin verraten fühlte und seine damalige Wohnung anzündete, treibt ihn ein Hass auf die Sozialisten.

Nachdem die Gedenkveranstaltung Mitte Januar ohne Zwischenfälle verlief, vermuteten die Spezialisten des Landeskriminalamtes den gebürtigen Thüringer zuerst in Wärmestuben. "Monatelang" hätten seine Mitarbeiter sämtliche Berliner Wärmestuben überwacht, sagt der Leiter des Fahndungsteams. Schließlich gehört Staps, dem die Beamten schwere Brandstiftung und Androhen eines Sprengstoffvergehens vorwerfen, zu den zehn meist gesuchten Straftätern Berlins. Doch trotz einer hohen Belohnung von 10 000 Mark ergaben sich keine Spuren. Bei der Auswertung der in seiner früheren Wohnung gefundenen Unterlagen fanden sich dann Hinweise auf die Sado-Maso-Szene. Seitdem fahnden die Ermittler im Milieu. Auch bei seinen Eltern, zu denen Staps seit 13 Jahren keinen Kontakt hält, ging kein Lebenszeichen ein.

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