Fahndung : Totes Baby: Führt ein Kissen zur Spur der Mutter?

Die Suche nach der Mutter des getöteten Säuglings geht weiter: Auch am Mittwoch fuhren Polizeibeamte durch Wilmersdorf und wandten sich mit Lautsprecherdurchsagen und Handzetteln an die Bevölkerung. Mittlerweile haben die Ermittler der Mordkommission auch ein paar nähere Details bekannt gegeben.

Tanja Buntrock

Wie berichtet, hatte der Mitarbeiter einer Transportfirma die Leiche des Neugeborenen am Montag in einem Alt-Kleidercontainer des Deutschen Roten Kreuzes in der Güntzelstraße gefunden. Der Junge war 51 Zentimeter groß und circa 2900 Gramm schwer. Er soll nach ersten Erkenntnissen gesund und vollständig entwickelt zur Welt gekommen sein und lebte nach der Geburt noch einige Stunden. Offenbar wurde das Kind erstickt. Doch die genaue Todesursache können die Gerichtsmediziner erst feststellen, wenn die chemisch-toxikologische Untersuchung abgeschlossen ist.

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Foto: Polizei

Das Baby war in einer Plastiktüte in dem Container abgelegt worden. In der Tüte befanden sich außerdem verschiedene Textilien. Darunter ein auffälliger Kopfkissenbezug mit einem Sonnenuntergangsmotiv sowie ein beigefarbenes Handtuch mit – möglicherweise handgefertigter – Häkelborte (siehe Fotos).

Die Kriminaltechniker der Polizei untersuchen die Textilien nun nach DNA-Spuren. Derartige Gegenstände helfen den Ermittlern häufig weiter: So auch im Fall des sogenannten Rucksack-Babys aus Köpenick. Der tote Säugling war im vorigen April in einem Rucksack gestopft im Wald am Müggelturm abgelegt worden. Über die Marke des Rucksacks war die Polizei schnell darauf gekommen, dass die Eltern Asiaten sein könnten. Das Fabrikat war eine Thai-Produktion. Die Fahnder behielten recht: Die Spur führte sie zu einem Bordell in Köpenick. Es stellte sich heraus, dass die Mutter eine thailändische Prostituierte ist. Sie hatte das Mädchen auf der Toilette erstickt. Dann flüchtete die Mutter in ihre Heimat. Die Strafverfolgung der deutschen Behörden gestaltet sich schwierig: In Thailand droht der Frau die Todesstrafe.

Die Polizei fragt: Wer kennt jemanden, der den abgebildeten Kopfkissenbezug oder ein solches Handtuch besessen hat? Wer kennt Frauen oder Mädchen, die schwanger waren und nun kein Baby mehr haben? Auch Zeugen, die Auffälliges am Alt-Kleidercontainer in den Tagen vor dem 9. März bemerkt haben, werden gebeten, sich unter 4664 911601 zu melden. Tanja Buntrock

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