Berlin : Fahnenflucht

Ariane Bemmer

Die WM! Die Sonne! Das Fest! Die Fans! Die Sportler! Und immer wieder: schwarz-rot-goldene Fahnen! Berlin ist im Ausnahmezustand, und mitten drin, im Herzen des Wahnsinns, tobt Schul- und Sportsenator Klaus Böger herum, Parteiraison und Dienstanweisungen entschlossen ignorierend. Er hat im Überschwang patriotischer Fußballbegeisterung seinen Dienst(!)wagen mit einer Deutschland-Fahne dekoriert und ist dann mit dem eindeutig parteiischen Gefährt auf den Straßen der Stadt unterwegs gewesen, ganz so, als beträfen ihn Neutralitätsüberlegungen überhaupt nicht, wie sie im Haus des Innensenators angestellt wurden. Der hatte seinen Polizisten verboten, ihre Einsatzfahrzeuge Schwarz-Rot-Gold zu bewimpeln. Damit sie im Falle von Konflikten zwischen Fans nicht als voreingenommen gelten. Dabei muss unter nationalen Gesichtspunkten natürlich auch Böger unparteiisch sein, denn nicht allzu selten hat er es mit Konflikten an ethnisch gemischten Schulen zu tun. Doch bevor er nun seine Fahne aus solchen Überlegungen heraus vernichten konnte, hatte die das Problem schon selbst gelöst – und war nach wenigen Tagen verschlissen.

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