Berlin : Fahren wie im Film

Mit der Liebe zu einem Leichenwagen fing für Dirk Salomon das Sammeln alter Autos an. Mittlerweile betreibt er mit dem Rammstein-Keyboarder Flake eine florierende Oldtimer-Vermietung.

Andreas Conrad

Tief hatte sich das Streichholzbriefchen ins Polster der Rückbank gegraben, eine dieser banalen Erinnerungen an frühere Besitzer, wie sie beim Kauf eines Gebrauchtwagens nun mal auftauchen. Wie lange mochte es da schon gesteckt haben? Und wer hatte das zündende Souvenir wohl aus einer Genfer Bar mitgenommen und als Notizzettel für eine Telefonnummer benutzt? Normalerweise würde der Käufer so einen Fund sofort entsorgen. Aber was tut er, wenn es sich um eine ganz spezielle Vorbesitzerin handelt – um Brigitte Bardot? Anrufen und schön von B. B. grüßen? Dass sich die Filmdiva ihre eigene Nummer notiert hat, ist ja kaum zu erwarten.

Dirk Salomon hat nicht angerufen, und das Pappheftchen ist ihm dann sogar abhanden gekommen. Ohnehin hat es weniger mit der Bardot zu tun, dass ihm der 68er Jaguar XJ6 besonders ans Herz gewachsen ist. 1989 hatte sie den Wagen in eine Schweizer Charity-Auktion für Tierheime gegeben, und Salomon hatte zugeschlagen. Der erste Wagen dieses Typs, der mit Linkssteuerung aufs europäische Festland kam! Und alles original, die Technik, der Lack, der Aufkleber mit dem alten Shell-Werbemännchen. Na gut: fast alles – das Radio ist neu.

Seine Liebe zu alten Autos hatte Salomon schon 1988 entdeckt. Das erste? „Ein wunderbarer Heckflossen-Leichenwagen.“ Zwei Jahre später folgte ein Jaguar, und so kam über die Jahre Auto um Auto zusammen. Durch Kontakt zu einem Autorestaurierer in Polen blieb das sogar bezahlbar. Erst war es Hobby, dann Geschäft. Das hatte mit Zetteln begonnen, die hinter dem Scheibenwischer steckten: „Wir drehen einen Film und würden gerne ihr Auto mieten.“ Daraus entstand eine professionelle Vermietung für PS-Legenden, die bislang überwiegend von Film- und Videoproduktionsfirmen genutzt wurde. Christopher Roths „Baader“, 2002 im Berlinale-Wettbewerb, wurde von „Oldierent“ ausgestattet; für eine Buchpräsentation im ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“ besorgte man ein Borgward-Isabella-Cabrio, weil der Held des Buches in genau so einer Rarität herumfuhr; und für ein Video der Brachialrockband Rammstein wurde sogar ein alter russischer Gaz in die Luft gesprengt. Eine logische Geschäftsbeziehung: Christian „Flake“ Lorenz, Keyboarder bei Rammstein und noch so ein Oldtimer-Enthusiast, ist seit letztem Jahr Salomons Kompagnon.

Er selbst ist hauptberuflich Marketingberater in der Hotelbranche. Da lag die Idee nahe, Berliner Hotels wie die beiden Art’otels und das Park Plaza oder neuerdings den Alsterhof als Partner zu gewinnen, die nun mit Salomons Autovermietung Arrangements von frisch bezogenem Hotelbett und historischem Blechspielzeug anbieten. Der erste Gast im Alsterhof hatte sich unlängst für einen offenen Jaguar E Type in Rot entschieden. Burkhart Henning hieß der Mann, Supervisor aus Mönchen-Gladbach, privat Fahrer eines Renault. Oldtimer-, Cabrio-Erfahrung? Vorher keine. Und dann gleich mit Jerry Cottons rotem Renner angefangen. Respekt!

Aber mieten kann man so ein Schmuckstück auch ohne Hotelbett, über 30 Fahrzeuge, darunter diverse Jaguars und Mercedes-Benz, den 502er „Barockengel“ von BMW, eine DS 20 Pallas von Citroen, Liebhabern eher als die „Göttin“ geläufig, einen Porsche 356, einen „Buckelvolvo“, einen Ro 80 mit Wankelmotor oder auch einen Käfer – made in Mexico.

Auch für Probefahrten bietet sich so ein Miet-Oldtimer natürlich an: Manch einer wurde sich erst nach dem Kauf eines heiß begehrten Veteranen bewusst, dass sein Rückgrat für die meist brettharte Federung alter britischer Roadsters nicht mehr tauglich ist. 299 Euro sollte einem ein Tag im Jaguar E Type aber schon wert sein, Versicherungen und 200 Freikilometer inbegriffen. Gegen die Folgekosten, die der eigene Oldtimer in der Regel dann mit sich bringt, ist das ein Klacks.

Die Firma Oldierent ist unter folgenden Telefonnummern erreichbar: 030-6128 7755, 0172-777 4404, 0175-835 0998 und 0177-804 4444 sowie im Internet unter www.oldierent-berlin.de .

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