Fahrerflucht : Ende einer vorschriftsmäßigen Radfahrt

Das Auto kommt aus dem nichts, es kracht - und der Fahrer sucht das Weite. Wenn rechts abbiegende Autofahrer geradeaus fahrende Fahrradfahrer übersehen, kann das üble Folgen haben. Von einem, der es am eigenen Leibe erfuhr.

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Helmut Schümann kam mit einer Platzwunde davon.
Helmut Schümann kam mit einer Platzwunde davon.Foto: Mike Wolff

Am Ende waren es nur drei Stiche, mit der die Platzwunde vernäht werden musste. Es hätten auch mehr sein können nach dem Aufprall an den eisernen Begrenzungspoller. Und es hätte auch die Bordsteinkante sein können, und statt des Hinterkopfs der Nacken, irgendein Halswirbel. Besser nicht ans "und dann?" denken.

Eine harmlose Fahrt mit dem Fahrrad, am Samstag in Berlin-Charlottenburg. Eine vorschriftsmäßige Fahrt, auf der Straße, weil ein Fahrradweg dort nicht vorhanden ist, nicht zu weit in der Fahrbahn, aber mit gebührendem Abstand zu den rechts parkenden Autos. Ich fahre immer mit diesem Abstand. Autotüren gehen immer mal wieder schnell auf, auch wenn dieser Zusammenprall von Radfahrer und Autofahrer eigentlich ein Klassiker ist und leicht zu vermeiden wäre. Der andere Klassiker ist der, wenn rechts abbiegende Autofahrer geradeaus fahrende Fahrradfahrer übersehen. Der eine Klassiker endet oft mit einem gebrochenen Knochen, Verstauchungen, einem kaputten Rad. Der andere endet oft tödlich.

Ich fuhr nicht schnell, aber zügig. Und kurz vor der Seitenstraße schaute ich über die linke Schulter, ob sich ein unachtsamer Rechtsabbieger nähert. Ich schaue immer vor Seitenstraßen über die Schulter.

Da war kein Auto. Oder keins, das auf meiner Höhe gewesen wäre und in dessen toten Winkel ich fahren könnte.

Dann war doch ein Auto da. Direkt vor mir. Der Fahrer, es war ein Fahrer, hatte wohl gedacht, mit ein wenig Beschleunigung noch vor mir abbiegen zu können. Nein, so kann es nicht gewesen sein, es kann nur so gewesen sein, dass dieser spezielle Autofahrer gar nicht denken kann.

Die folgende Szene in Zeitlupe: Ich schrie. Ich bremste mit beiden Bremsen scharf ab. Das Hinterrad brach aus. Wahrscheinlich hatte ich auch den Lenker zu weit nach rechts gerissen. Ich rutschte mit dem Vorderrad an die Bordsteinkante. Ich stürzte. Ich schlug auf den Boden auf. Ich prallte mit dem Hinterkopf an einen eisernen Begrenzungspoller. Ich blutete. Das Auto war nicht mehr da. Ich weiß, dass es in so einem Moment wirklich wichtig ist, sich das Nummernschild zu merken. Aber daran hatte ich in dem Moment gar nicht gedacht. War wohl unachtsam.

Es waren nur drei Stiche. Am Ende der Woche werden die Fäden gezogen. Und dann ist alles wieder gut.

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