Berlin : Fahrgäste am Bahnhof Zoo niedergestochen

Gewalt im Nahverkehr nahm im ersten Halbjahr zu Straftaten sind seit 2006 deutlich zurückgegangen

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Der öffentliche Nahverkehr wird laut Polizei immer sicherer – auch, wenn im ersten Halbjahr 2011 die Zahl der Straftaten erneut angestiegen ist. Erst in der Nacht zu Freitag hat sich in der U-Bahn-Linie 9 die seit Wochen brutalste Straftat zugetragen: Zwei junge Männer wurden am Bahnhof Zoo während eines Streits von einem bislang Unbekannten mit einem Messer angegriffen. Ein Opfer war erst nach einer Notoperation im Krankenhaus außer Lebensgefahr, der andere Fahrgast wurde nicht so schwer verletzt. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags übernommen.

Die 20- und 21-Jährigen waren gegen Mitternacht in einem Zug nach Polizeiangaben aus „nichtigem Anlass“ mit drei anderen Männern in Streit geraten. Am Zoo stiegen alle Beteiligten aus. Einer der Männer aus der Dreiergruppe ging dann mit einem Messer auf die 20- und 21-Jährigen los. Die Verletzungen bemerkten beide angeblich erst, nachdem sie in die nächste Bahn eingestiegen waren. Vom U-Bahnhof Kurfürstendamm wurden sie in eine Klinik gebracht: der 20-Jährige mit mehreren Stichen im Oberkörper, der 21-Jährige mit Stichen im Oberarm. Der Täter wurde als etwa 18 bis 20 Jahre alter, ungepflegt wirkender Deutscher beschrieben.

Trotzdem gibt es nach offiziellen Angaben keine signifikante Zunahme bei Gewalttaten in Bussen und Bahnen: Insgesamt ist die Kriminalität laut Polizei im ersten Halbjahr dieses Jahres um etwa 15 Prozent von etwa 8600 auf 10 000 Taten gestiegen. Für diesen Gesamtanstieg sind drastische Steigerungsraten bei Diebstahl (plus 47 Prozent), Taschendiebstahl (plus 57 Prozent) und Fahrraddiebstahl (plus 50 Prozent) verantwortlich. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 3,6 Prozent mehr Körperverletzungen in Bussen und Bahnen registriert, aber 3,2 Prozent weniger Raubtaten.

Betrachtet man die Entwicklung im Fünf-Jahres-Zeitraum fällt die Bilanz deutlich positiver aus: Von 2006 bis 2010 ging die Zahl von insgesamt 22 400 Straftaten auf 17 600 zurück. In dieser Zeit sank auch die Zahl der schweren Delikte, wie beispielsweise Körperverletzungen (um 12 Prozent) und Raub (um 45 Prozent). Zunahmen gab es allerdings auch auf lange Sicht betrachtet bei Fahrraddiebstahl (plus 21 Prozent) und Hausfriedensbruch (plus 30 Prozent).

Die Polizei hatte auf Anweisung des Senats ihre Präsenz Mitte Mai vor allem auf Bahnhöfen gemeinsam mit dem Sicherheitspersonal der BVG deutlich verstärkt. Zuvor hatte es eine Reihe von brutalen Übergriffen gegeben.

Zusammen mit den Verkehrsbetrieben werde die Polizei ihre im Frühjahr begonnenen Einsätze an Kriminalitätsschwerpunkten fortsetzen, kündigte die Polizei an. „Nahezu täglich“ gebe es offene oder verdeckte Einsätze in der U-Bahn. Die Zahl der geleisteten Einsatzstunden bei der BVG habe sich zwischen 2006 und 2010 mehr als verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2011 war die Polizei statistisch bereits 87 000 Stunden bei der BVG unterwegs, was 82 Prozent der Einsatzkräftestunden des Vorjahres 2010 entspricht.

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