Fahrgäste in Not : Stromausfall: Diesmal bleibt das Riesenrad stehen

Schon wieder hingen Berliner Weihnachtsmarktbesucher in luftiger Höhe fest. Und keiner forscht nach der Ursache.

Sandra Dassler
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Eiskalte Höhen. Am Sonntagabend stand das Riesenrad am Weihnachtsmarkt vor dem Roten Rathaus plötzlich still. Wegen eines...ddp

„Naja, schön war das nicht gerade, als das Licht ausging“, sagt Hans-Dieter Laubinger. Er ist der Veranstalter des Weihnachtsmarkts vor dem Roten Rathaus, der am Sonntagabend kurz nach 19 Uhr plötzlich im Dunkeln lag. Besucher des Marktes sprachen von einer halben Stunde Stromausfall, laut Feuerwehr waren es nur etwa 20 Minuten. Die aber dürften sich für die etwa zwei Dutzend Fahrgäste im stehen gebliebenen Riesenrad ziemlich lang angefühlt haben. Das Rad ist immerhin etwa 50 Meter hoch und die Temperaturen betrugen am Sonntagabend noch um die zehn Grad Minus.

Veranstalter Laubinger sieht das Ganze dennoch eher gelassen: „Unsere Gondeln sind ja geschlossen“, sagte er gestern dem Tagesspiegel: „Und außerdem liegen da ja Decken drin.“

Die Ursache für den Stromausfall war nach Angaben der Feuerwehr, die zunächst immerhin 30 Kräfte für den Einsatz mobilisiert hatte, ein ausgelöster Überlastschalter. „Das ist so, als wenn zu Hause die Sicherung rausfliegt, weil zu viele elektrische Geräte gleichzeitig eingeschaltet sind“, erklärte ein Vattenfall-Sprecher. Der Weihnachtsmarkt werde mit einer 800-Kilovolt-Anlage betrieben, die dem Veranstalter über einen Dienstleister zur Verfügung gestellt wurde. „Vattenfall hat die gleiche Menge Strom geliefert wie immer“, sagte der Sprecher. „Wir haben nichts damit zu tun, dass es zu einer Überlastung kam. Eventuell war ja die extreme Kälte daran schuld, weil einige Heizstrahler mehr in den Buden aufgestellt wurden und auch das Riesenrad mehr Strom benötigte.“

„Es gab keine Überlastung“, behauptet hingegen Weihnachtsmarkt-Veranstalter Laubinger. „Ich hab’ mir das ja selbst angesehen, wir hätten noch rund 20 Prozent mehr Strom verbrauchen können.“

Warum dann aber der Überlastschalter auslöste, der Weihnachtsmarkt im Dunkeln lag und die Riesenrad-Gäste in luftiger Höhe zittern mussten, wird nie geklärt werden, weil es nicht untersucht wird.

Die Feuerwehr erklärt, man habe den Fall der Polizei übergeben, die müsse nun entsprechende Ermittlungen einleiten. Die Polizei bestreitet dies energisch: „Wir waren doch gar nicht im Einsatz“, sagt ein Sprecher: „Wenn es ein technischer Defekt an einem Fahrgerät gewesen wäre wie am vergangenen Dienstag, als auf einem anderen Weihnachtsmarkt 14 Menschen aus festsitzenden Gondeln in zehn Metern Höhe gerettet werden mussten, würden wir ermitteln. Aber Stromausfälle wegen Überlastung geschehen täglich in dieser Stadt.“

Ähnlich argumentiert auch Laubinger: „Mir ist schon dreimal das Eisaggregat für meine historische Eisbahn um den Neptunbrunnen ausgefallen – nur weil Vattenfall irgendwelche Stromkreise umgeschaltet hat“, erzählt er. Vattenfall wiederum erklärt sich dafür nicht zuständig und verweist auf den Dienstleister, mit dem der Vertrag über die Stromlieferung für den Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus geschlossen wurde.

Und niemand hat eine Untersuchung der Ursache für den Stromausfall in Auftrag gegeben. Das zuständige Bezirksamt Mitte verweist auf den Tüv, weil der für „fliegende Bauten“ wie Riesenräder zuständig sei. Der Tüv aber wird nur tätig, wenn er von jemandem beauftragt wird, so beißt sich die Katze in den Schwanz.

Dass der Überlastschalter also jederzeit wieder auslösen und das Riesenrad erneut stehen bleiben könnte, bezeichnet Weihnachtsmarktbetreiber Laubinger aber als unwahrscheinlich: „Wir haben ein paar Leitungen umgeklemmt, da passiert nichts mehr“, sagt er: „Und sicherheitshalber legen wir auch noch einige Wolldecken extra in die Gondeln.“

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