Berlin : Fahrgäste, nein danke

Taxi-Streik in Tegel ließ vor allem Touristen verzweifeln

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„Ich wünsche Ihnen, dass Sie alle pleite gehen. Aber wirklich alle!“ Die Frau war außer sich. Sie wollte schnell vom Flughafen Tegel in die Stadt, doch keiner der vielen Taxifahrer dort wollte sie einsteigen lassen. Streik! Ganz spontan; nur ein bisschen geplant. Von 15 Uhr bis 18 Uhr fuhr kein Taxi angekommene Fluggäste weg. Nur abfliegende Passagiere wurden zum Flughafen gebracht. So protestierte das Gewerbe gegen die Gebührenpflicht für den vorgeschriebenen Aufstellplatz. 25 Euro fordert die Flughafengesellschaft für den Rest des Jahres, 70 Euro werden dann vom kommenden Jahr an fällig.

Mehrfach kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Fahrwilligen und Unwilligen. Überall standen Geschäftsleute, die versuchten, sich über ihr Handy eine Fahrgelegenheit zu organisieren. Die BVG hatte zwar neben ihren Linienbussen fünf weitere Fahrzeuge eingesetzt, die aber nur zu den Bahnhöfen Jakob-Kaiser-Platz und Jungfernheide fuhren.

Touristen, wie eine Familie aus Chile, verstanden die Welt überhaupt nicht mehr. Den Grund der Begrüßung der besonderen Art in Berlin kannten sie nicht. Und die verteilten Handzettel des Taxigewerbes waren selbst für Deutsche nicht einfach zu verstehen.

„Das Fass ist übergelaufen“, sagte Wolfgang Miedel vom Vorstand der Taxi-Innung. Die Gebühr sei nur noch der Auslöser für die Proteste gewesen. Dass sich fast alle Fahrer in Tegel an den Streikaufruf hielten, zeige, wie dreckig es dem Gewerbe insgesamt gehe. Viele stünden tatsächlich dicht vor der Pleite.

Doch nicht alle Streikenden standen voll hinter der Aktion. „Damit schaden wir auch unseren Kunden“, sagte einer. Zudem besteht eine Beförderungspflicht. Bei Verstößen droht ein Bußgeld. Am Schluss konnte es dann nicht schnell genug gehen. Um 18 Uhr sollte der Streik beendet werden, doch schon zehn Minuten vorher fuhren die meisten Taxis wieder los – mit Fahrgästen. Am Montag soll der Protest weitergehen.kt

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