Fahrpläne : S-Bahn aus dem Takt gebracht

Die Zugausfälle, vor allem durch Fahrermangel bei der Berliner S-Bahn werden am Wochenende durch Bauarbeiten noch weiter verschärft.

Klaus Kurpjuweit

BerlinDas Durcheinander im Fahrplan der S-Bahn geht weiter. Am Wochenende müssen Fahrgäste mit weiteren Zugausfällen rechnen. Von Montag an reduziert die S-Bahn dann, wie berichtet, ihr Angebot nach Plan. Auf sechs Linien schränkt sie mindestens bis zum Ferienende in sechs Wochen den Betrieb ein.

Seit Wochen gibt es bei der S-Bahn einen Mangel an Triebwagenführern. Zwölf Prozent der etwa 900 Mitarbeiter sind derzeit krankgeschrieben; in ihrer Personalplanung hat die S-Bahn eine Quote von höchstens vier Prozent vorgesehen. Deshalb kam es seit Anfang Juni immer wieder zu Zugausfällen.

Während es nach Angaben von S-Bahnsprecher Gisbert Gahler gestern trotz der Engpässe keine personalbedingten Ausfälle gab, wird es heute und am Sonntag eng. Durch Bauarbeiten, die einen Sonderverkehr erforderten, seien zusätzliche Zugführer erforderlich, sagte Gahler.

Weil alle Reserven erschöpft seien, hat sich die S-Bahn bereits Strecken ausgesucht, auf denen sie bei Personalmangel weniger Züge fahren lassen will: Auf der S 1 zwischen Wannsee und Zehlendorf und auf der Ringbahn, wo die S 46 aus Königs Wusterhausen bereits in Tempelhof enden soll. In beiden Fällen verpackt die S-Bahn die Einschränkungen in den Baustellen-Sonderverkehr. Auf der S 1 fahren die Züge am Wochenende zwischen Botanischem Garten und Wannsee ohnehin nur alle 20 Minuten; auf einen möglichen Pendelverkehr zwischen Zehlendorf und Wannsee verzichten die Planer, so dass es beim 20-Minuten-Takt bleibt.

Auf dem Ring kommt es zwischen Wedding und Halensee wegen Bauarbeiten zu Pendelverkehr im Abstand von 10 oder 20 Minuten, wobei die Fahrgäste in Jungfernheide und Westkreuz umsteigen müssen. Die S 46 hätte bis Halensee oder Charlottenburg fahren können, soll aber nun bereits in Tempelhof enden.

Planmäßig streicht die S-Bahn dann von Montag an mindestens bis zum Ferienende auf der S 1 die Verstärkerfahrten zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz. Das bedeutet, dass die Züge im Berufsverkehr nur alle zehn statt alle fünf Minuten fahren. Auf der S 25 gibt es Züge im Zehn-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit nur zwischen Lichterfelde-Süd und Potsdamer Platz (statt bis Gesundbrunnen); abends entfällt der Zehn-Minuten-Verkehr zwischen Priesterweg und Gesundbrunnen.

Auf der S 3 entfallen einzelne Züge, auf der S 5 streicht die S-Bahn die Verstärkerzüge Mahlsdorf–Warschauer Straße; abends reduziert sich der Zehn-Minuten- Takt auf den Abschnitt Mahlsdorf-Warschauer Straße. Die S 45 endet abends immer bereits in Tempelhof und die S 85 fährt am Wochenende gar nicht.

Die Einschränkungen führten bei den Fahrgästen zu einem Imageverlust, der nur schwer wiedergutzumachen sein werde, befürchten Planer beim Senat. Der Zuschuss an die S-Bahn wird auf jeden Fall gekürzt.

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