Berlin : Fahrpreise steigen kaum

Stammkunden von BVG und S-Bahn profitieren Brandenburger, Radler und Touristen zahlen mehr

Stefan Jacobs

Die für April 2007 geplante Fahrpreiserhöhung bei BVG und S-Bahn fällt für die Berliner größtenteils aus. Mindestens bis April 2008 müssen weder Gelegenheitsfahrer noch Stammkunden draufzahlen – zumindest dann, wenn sie ihre Monatskarten fürs ganze Jahr im Voraus oder per Abo kaufen und kein Fahrrad in der Bahn mitnehmen. Darauf hat sich der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) am Mittwoch geeinigt.

Damit sind BVG und S-Bahn gescheitert, die den Berliner Einzelfahrschein schon zum Januar gleich um 20 Cent teurer machen wollten. Auch den vorgeschlagenen Ausgleich, nämlich eine billigere Tageskarte, hat der von Berliner und Brandenburger Verkehrbetrieben getragene VBB konterkariert: Das oft von Touristen genutzte Ticket wird 30 Cent teurer.

Konstant bleiben nicht nur die Preise für Einzelfahrscheine in Berlin und für Umweltkarten, sondern auch die für Schülerkarten, Zehn-Uhr-Tickets, Wochenkarten sowie der Kurzstreckentarif. Der Fahrschein fürs Tarifgebiet ABC verteuert sich um zehn Cent, eine monatlich neu gekaufte Umweltkarte um drei Euro.

Kräftiger langen die Verkehrsunternehmen bei den Passagieren zu, die ein Fahrrad mitnehmen: Zwei Euro mehr für die Fahrrad-Monatskarte in Berlin und vier Euro zusätzlich fürs Gesamtnetz bedeuten Steigerungen um rund ein Drittel. Noch haben nicht alle Beteiligten der Erhöhung zugestimmt. Sie soll nach Auskunft von VBB-Geschäftsführer Hans- Werner Franz nur dann fällig werden, wenn das Fahrradticket künftig auch zum Einzelfahrschein verwendet werden kann statt wie bisher nur zur Zeitkarte. „Damit kann ich sehr gut leben“, sagt Benno Koch, Fahrradbeauftragter des Senats. Er hatte zuvor gegen eine Preiserhöhung ohne Gegenleistung protestiert.

VBB-Chef Franz begründete die unerwartet geringen Preissteigerungen mit der Empfindlichkeit der Kunden und mit politischem Druck aus Berlin: „Der Wunsch des Senats hat großen Einfluss gehabt“, sagte er mit Blick auf die Intervention von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), die die ursprünglichen Forderungen von BVG und S-Bahn abgelehnt hatte. Dass das Sozialticket unverändert 33,50 Euro kostet, dürfte ebenfalls auf den rot-roten Senat zurückgehen.

Die BVG wollte sich offiziell nicht zu den neuen Tarifen äußern. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass die Tariferhöhung statt der geplanten elf Millionen nur zwei Millionen Euro einbringen dürfte, so dass man besser ganz darauf verzichtet hätte. Auch die S-Bahn sieht Finanzprobleme: Während die Fahrpreise seit August 2005 stabil blieben, seien die Energiekosten gestiegen und die Landeszuschüsse gesunken, hieß es inoffiziell.

Während sich für Berlin laut VBB eine Preiserhöhung von durchschnittlich 2,4 Prozent ergibt, sind es in Brandenburg 4,8 Prozent. So kostet ein Ticket für maximal 65 Kilometer 8,90 Euro, 50 Cent mehr als bisher. Ganz neu ist eine Tageskarte für ganz Berlin und Brandenburg für 19 Euro.

Die Grünen-Verkehrspolitikerin Claudia Hämmerling forderte, die Strafen für Falschparker denen für Schwarzfahrer anzugleichen und mehr Parkgebühren einzutreiben, um Nutzer von Bus und Bahn nicht zu benachteiligen.

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