Geklaut oder vergessen : Überall in Berlin: Fahrradschlösser ohne Räder

06.09.2011 14:27 UhrVon

Der Niederländer Koos Staal fand nach einem Cafébesuch in Mitte sein Rad nicht wieder. Stattdessen hing sein verriegeltes Bügelschloss unversehrt am Pfahl. Was ist wirklich passiert?

Ackerstraße in Mitte. Dem Niederländer Koos Staal kam bei einem Berlin-Besuch sein Fahrrad abhanden - auf seltsame Weise. Es stand abgeschlossen in Mitte, doch als Staal es abholen wollte, war nur noch ein Schloss da.Bilder
Ackerstraße in Mitte. Dem Niederländer Koos Staal kam bei einem Berlin-Besuch sein Fahrrad abhanden - auf seltsame Weise. Es stand abgeschlossen in Mitte, doch als Staal es abholen... - Foto: Koos Staal

Koos Staal verlor sein Rad auf rätselhafte Weise. Der Niederländer schloss sein neues Fahrrad der Marke Diamant mit einem als sicher geltenden Bügelschloss an einen Pfahl in Mitte. Eineinhalb Stunden später trat er aus einem Café und fand nur noch das Schloss wieder - es ließ sich noch öffnen.

Verdutzt machte sich Staal Vorwürfe, stellte seine Zurechnungsfähigkeit in Frage: Kann ein Mensch aus Nachlässigkeit statt seines Fahrrads nur das Schloss an einen Pfahl schließen? So muss es wohl gewesen sein, sagte er sich - Pech gehabt! Oder hat vielleicht doch ein Dieb mit geschickten Fingern und einem Dietrich das Schloss geöffnet, wieder verschlossen und sich auf das Rad geschwungen?

Trotz eines nagenden Schuldgefühls ging Staal am nächsten Tag zu einer Polizweiwache und gab eine Anzeige auf. "Nee, dit is ja irjendwie ooch komisch" antwortete man ihm auf die Frage hin, ob bei Fahrraddiebstählen öfter die Schlösser unbeschädigt und verschlossen zurückbleiben.

Doch bei seinem nächsten Berlin-Besuch machte Koos eine eigentümliche Entdeckung: Überall in der Stadt hängen Fahrradschlösser an Geländern, Ampeln oder Verkehrsschildern - ohne ein dazugehöriges Fahrrad. Günstige Spiralschlösser, die einfach mit einem Bolzenschneider zu öffnen wären hängen verschlossen neben hochwertigen Kettenschlössern. Wie kann das sein?

"Vielleicht sind es einige Berliner leid, auf dem Weg zur Arbeit ihre schweren Schlösser mitzuschleppen", mutmaßt Philipp Poll, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Berlin. Poll kann sich vorstellen, dass diese Radbesitzer mehrere Schlösser an verschiedenen Orten parat halten.

Eine alternative Erklärung des ADFC-Geschäftsführers: Fahrraddiebe benutzen ein Gerät aus mehreren Zangen, mit dem sie Zylinder von Mittelklasse-Schlössern zügig öffnen können, ohne sie zu beschädigen. Nach der Tat haben sie keine Verwendung mehr für die geknackten Schlösser und schließen diese einfach irgendwo an. Peter Herold, Ansprechpartner der Berliner Polizei für den Radverkehr, kann sich auf Nachfrage keinen Reim auf diesen Sachverhalt machen.

Liebe Leserinnen und Leser: Welche Erklärung haben Sie für die vielen verriegelten Fahrradschlösser ohne Räder in Berlin?

zur Startseite

Umfrage

Soll die Hauptstraße in Schöneberg in David-Bowie-Straße umbenannt werden?

Altersvorsorge

Altersvorsorge

Welche Vorsorge-Optionen gibt es? Und welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll? Präsentiert von unserem Partner CosmosDirekt klären wir offene Fragen.

Diese und weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge finden Sie auf unserer Themenseite.

Folgen Sie unserer Berlinredaktion auf Twitter:

Tanja Buntrock:
Karin Christmann:


Robert Ide:


Sigrid Kneist:


Anke Myrrhe:


Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels. Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt:



Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de! Wir freuen uns auf Ihre Bilder!


Die ersten Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.


Tagesspiegel lokal

Zehlendorf-Kiez

Zehlendorf – fein, langweilig, reich? Denkste! Wir hinterfragen gemeinsam mit Jugendlichen, Erwachsenen, Prominenten Klischees und schreiben spannende Geschichten aus dem Stadtteil: über Menschen, lokale Politik und ein Lebensgefühl mit Wasser und Wald. Schreiben Sie mit an unserer Seite über Zehlendorf!

Zum Ortsteil Zehlendorf


Ku'damm

Alle reden vom neuen Aufschwung am berühmten Berliner Kurfürstendamm. Wir zeigen die Fortschritte, aber auch Schattenseiten der Entwicklung in der westlichen Innenstadt und stellen die Menschen dort vor. Machen Sie mit bei unserer Seite zum Ku'damm-Kiez!

Zum Ortsteil Ku'damm


Spandau

Kaum ein Bezirk ist so kontrastreich wie das "gallische Dorf" am Westrand Berlins, vom riesigen Stadtforst bis zu bedeutenden Industriestandorten von Konzernen wie BMW und Siemens, von Großsiedlungen wie dem Falkenhagener Feld über das dörfliche Gatow bis hin zu den Kladower Villen. Unser Portal ist eine Mischung aus aktuellen Nachrichten, Kiez-Reportagen und Debatten-Plattform. Mischen Sie mit!

Zum Ortsteil Spandau


Pankow

Pankow boomt. Das Gebiet nördlich vom Prenzlauer Berg wächst rasant. Zu DDR-Zeiten lebten hier vor allem Diplomaten, Funktionäre und Künstler; nun kommen Familien aus dem Prenzlauer Berg hinzu. Eine interessante Mischung. Wir berichten, wie sich das alte Pankow verändert und wer es verändert. Und wir erzählen Geschichten aus der Zeit vor 1989. Die sind spannender als jeder Krimi.

Zum Ortsteil Pankow


Wedding

Der Wedding lebt. Nur wie? Finden wir es heraus, gemeinsam. Wir: die Leser und die Journalisten des Tagesspiegels. Wir schreiben: Eine Seite über den Wedding. Den alten. Den neuen. Den guten. Den schlechten. Und den dazwischen. Früher Bezirk, bis heute Ereignis. Machen Sie mit bei unserer Seite über den Wedding-Kiez!

Zum Ortsteil Wedding


Kreuzberg

Berlin ist Kreuzberg. Und umgekehrt. Kaum ein anderer Berliner Bezirk wird so stark mit der Hauptstadt in Verbindung gebracht wie Kreuzberg. Was die Kreuzberger bewegt, viele Kiezgeschichten und Meinungen lesen Sie im hyperlokalen Projekt des Tagesspiegels.

Zum Ortsteil Kreuzberg


Service

Nachrichten aus den Bezirken

Weitere Themen

Veranstaltungen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden regelmäßig Salons, Vorträge und Debatten statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.