Öffentlicher Nahverkehr : Umsteigen mit dem Rad

Wer mit dem Fahrrad umsteigen will, findet nicht überall Zugang. Schon der Augenschein, zeigt, wie wenig Platz Fahrrädern gerade in Straßenbahnen und den meisten S- und U-Bahnen eingeräumt wird.

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Pendler haben es schwer, wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind. Am Potsdamer Platz gibt es wenigstens Rolltreppen.
Pendler haben es schwer, wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind. Am Potsdamer Platz gibt es wenigstens Rolltreppen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Es könnte so einfach sein, wenn Rad und öffentlicher Verkehr optimal miteinander vernetzt wären. Aber beim »Bike & Ride« gibt es noch reichlich Verbesserungsbedarf: Zugänge zu Bahnhöfen sind oft nicht fahrradfreundlich gestaltet und es fehlt dort an Rampen, wo nicht nur Fahrradfahrer, sondern auch ältere Menschen mit Rollatoren ratlos vor steilen Treppen stehen

In vielen ICE-Zügen ist bis heute keine Fahrradmitnahme erlaubt – das macht besonders längere Reisen mit dem Fahrrad zu einer echten logistischen Aufgabe. Und wer als Pendler oder Ausflügler auf überdachte oder sogar bewachte Fahrradparkplätze in Bahnhofsnähe hofft, sucht sie in der Regel vergeblich.

Auch im öffentlichen Nahverkehr gibt es reichlich Optimierungsmöglichkeiten: Generell ist die Fahrradmitnahme zwar bei der S-Bahn, bei den U- und Straßenbahnen der BVG, der DB Regio, verschiedenen Privatbahnen und einigen Busunternehmen im VBB erlaubt. Es gibt sogar eine Monatskarte für 9,50 Euro. Aber schon der Augenschein zeigt, wie wenig Platz Fahrrädern gerade in Straßenbahnen sowie den meisten U- und S-Bahnen eingeräumt wird. Wenn es eng wird, haben Rollstuhlfahrer und Kinderwagen Vorrang.

Fahrräder mit Hilfsmotor, dreirädrige Fahrräder sowie Fahrräder mit Anhänger sind von der Beförderung sowieso ausgeschlossen. Ein großer Schritt in Richtung Vernetzung war allerdings der bequeme Zugriff auf Fahrräder an Bahnhöfen, U- und S-Bahn-Stationen. Im August 2002 ging in Berlin Call a Bike an den Start. Heute hat Call a Bike Dependancen in über sechzig deutschen Städten. Ein echtes Erfolgsmodell also, das allerdings kostet: maximal 12 Euro am Tag oder 60 Euro die Woche. Andere Städte haben, gerade mit Blick auf die vielen Touristen, andere Modelle entwickelt: Zürich etwa, in der teuren Schweiz, bietet Velos kostenlos an. Von den Schweizern lernen, heißt in diesem Fall Geld sparen. Zugegeben eine seltene Erfahrung. Aber vermutlich gibt es eine Art Umwegrentabilität.

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