Radtour : Mauerradweg mit Abstecher

Christian Meier folgt gerne dem Mauerradweg, auch wenn die Strecke schon reichlich bekannt ist. In seiner Freizeit findet er so heraus, warum er gerne in Berlin lebt. Und er plant noch einen ganz persönlichen Abstecher ein.

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Karte: ©OpenStreetMap-Mitwirkende

Streckenbeschreibung (24,8 km)

km 0 Berlin hat so viele Facetten und Gesichter. Das stelle ich durch meinen Beruf, der mich jeden Tag viele Kilometer durch die Stadt bringt, immer wieder fest. Das zeigt sich auch in der Nähe des Märkischen Viertels, wo wir unsere Tour starten. Die ehemalige Heimat des Rappers Sido wird zwar saniert, aber der Kiez ist immer noch etwas eigen. Also folgen wir dem Mauerradweg nach Süden. Das ist das Schöne für mich am Radfahren in der Freizeit. Mal keinen Zeitdruck haben und einfach die Stadt genießen können.

km 9 Bernauer Straße: Hier sind Menschen aus dem Fenster gesprungen, als die Mauer gebaut wurde. Die Schneise der Mauer ist noch gut zu sehen. Hinter der Gedenkstätte entstehen aber auch Townhouses. Hier zeigt sich der stetige Wandel in Berlin besonders gut.

km 11 Zwischen Bundeswehrkrankenhaus und Nordhafen biegen wir auf das Ufer der Spree ein, passieren die Charité und betrachten von der anderen Seite der Spree aus das Regierungsviertel. Schon beeindruckend sind Reichstagsgebäude und Jakob-Kaiser-Haus zu sehen. Aber im Sommer stapeln sich hier die Touristen. Wenn ich als Kurier hierher muss, bin ich manchmal schon genervt von den vielen Touris. Ich denke mir dann: „Das gehört dazu.“ Aber ich muss ja auch meine Aufträge erledigen. Also nichts wie weg hier. Brandenburger Tor, Ebertstraße, weiter dann die Zimmerstraße. An jeder Ecke findet sich Geschichte. Aber Berlin zeigt auch immer wieder seine schönen Seiten. Die Leipziger Straße verlassen wir, so schnell es geht, Richtung Süden. Zu viel Verkehr und Lärm. Berlins volle und rauschende Mitte bleibt hinter uns.

km 18 Zu Beginn der Waldemarstraße fahren wir nach Kreuzberg. Für mich persönlich ist das schon eher meine Welt. Sehr bunt, ein bisschen verrückt, ein bisschen chaotisch. Aber hier geht der Puls der Stadt wieder etwas runter. Dafür blüht hier die Fantasie auf. Ein Szenekiez, dessen Szene schon etwas in die Jahre gekommen ist. Aber immer wieder erneuert durch junge Leute aus der ganzen Welt. Wen der Hunger packt, der kann sich in der Henne stärken. Dort biegen wir auch links ab ins Engelbecken und dann in den Bethaniendamm. Hier sieht man noch richtig, welch mächtige Schneise diese Mauer früher durch die Stadt gezogen hat.

km 20 Nach 20 Kilometern sind wir an der EastSide Gallery angekommen. Eines der letzten Stücke Mauer. Zum Zeitpunkt des Mauerfalls war ich mit acht Jahren noch sehr jung. In Berlin aber ist sie immer noch eine offene Wunde, die nur an manchen Stellen verheilt ist.

km 22 Auf der Schlesischen Straße verlassen wir den Mauerradweg und fahren von der Falckensteinstraße rüber zur Cuvrystraße, dann durch den Görlitzer Park, die Ratiborstraße entlang bis zum Landwehrkanal. Hier kommt ein ganz besonderer Platz für mich, denn hier habe ich die Frau meines Lebens kennengelernt. Hier saß sie mit einer Freundin auf einer Bank in der Nähe des Ritterspielplatzes. Weil hier aber viel los ist fahren wir, noch ein Stück weiter zum Treptower Park und beenden unsere Tour auf der Liegewiese gegenüber der Halbinsel Stralau.

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