Radtour : Steyers Mauergeschichten

Brandenburg war sein Wohnzimmer. Claus-Dieter Steyer kannte jeden Winkel des Landes, das er liebte. Im Sommer 2015 starb Claus-Dieter Steyer bei einem tragischen Unfall in den Alpen. Als Erinnerung an einen lieben Kollegen drucken wir hier seine Tour "Spannende Mauergeschichten".

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Das Schloss auf der Pfaueninsel.
Das Schloss auf der Pfaueninsel.Foto: Kitty-Kleist-Heinrich

Start

Die Tour beginnt am S-Bahnhof Wannsee. Auf dem Vorplatz bewegen wir uns nach links und fahren rund einen Kilometer auf dem Radweg an der Königstraße. Dann biegen wir nach rechts in die Pfaueninselchaussee ein, die uns zur Fähre bringt.

km 4,7

Für einen Abstecher auf die Pfaueninsel mit der »Luise« muss das Fahrrad an Land bleiben. Schon von Weitem sind die Rufe der Pfauen zu hören, die auf der 67 Hektar großen Insel frei herumlaufen. Sie sind auf der von den Preußenkönigen als »paradiesisches Eiland« gerühmten Insel genauso charakteristisch wie das weiße Schloss von 1794, die Ruine der Meierei und der Wasservogelteich.

km 6,9

Der weitere Weg verläuft immer entlang des Wassers, er führt zum Restaurant Blockhaus Nikolskoe und schließlich zum Krughorn mit Blick auf die Sacrower Heilandskirche.
Wer sie aus der Nähe sehen möchte, kann mit dem Wassertaxi übersetzen. Da die Heilandskirche bis 1989 genau im Grenzgebiet stand, konnte sie nicht besucht werden. Die Grenzer richteten mutwillig Schäden an, die ihren Fortbestand gefährdeten. Tagesspiegel-Leser spendeten eine größere Summe, um die Kirche zu retten. Versteckt hinter hohen Bäumen liegt auch das Schloss Sacrow, das seit einigen Jahren wieder zugänglich ist.

km 8,2

Kurz hinter dem Schloss Glienicke kommt die Glienicker Brücke in Sicht. Sie wurde als »Agentenbrücke« weltberühmt. Zwischen 1962 und 1986 fanden hier drei Austausch­aktionen zwischen Ost und West statt. Wie kaum ein anderer Ort symbolisiert sie die deutsche Teilung. Wir halten uns dort links, fahren ein kurzes Stück auf der Königstraße und biegen dann nach rechts in den ausgeschilderten Mauerradweg Richtung S-Griebnitzsee ein.

km 9,1

Der Potsdamer Ortsteil Klein Glienicke ist nur durch die schmale Parkbrücke mit Babelsberg verbunden. Durch den Bau der Mauer ragte die einstige DDR-Enklave weit in West-Berliner Gebiet hinein und war entsprechend streng bewacht. Hinter der Brücke folgen wir dem Mauerradweg ein kurzes Stück durch den Schlosspark Babelsberg und weiter die Karl-Marx-Straße entlang.

km 10,1

Hier zweigt die Virchowstraße nach links ab in die Villenkolonie Babelsberg. In den 20er und 30er Jahren siedelten sich hier wegen der Nähe zu den Filmstudios Schauspieler wie Heinz Rühmann, Brigitte Horney und Marika Rökk an. Hinter der Truman-Villa stößt die Virchowstraße wieder auf die Karl-Marx-Straße, die an der Kreuzung mit der Rudolf-Breitscheid-Straße vor dem Restaurant endet. Wir biegen nach links und fahren am S-Bahnhof Griebnitzsee weiter bis zum Ortsteil Kohlhasenbrück.

km 13,2

Wir überqueren die Eisenbahnbrücke und stehen dann vor einer Entscheidung: Nach links führt der Königsweg auf direktem Weg nach Wannsee, während es geradeaus weiter nach Albrechts-Teerofen, Stahnsdorf und Kleinmachnow geht. Wer sich für die kürzere Variante entscheidet, fährt auf dem Königsweg bis zu dem für Autos gesperrten Stahnsdorfer Damm. Rechts liegt das Gewerbegebiet »Europarc« auf dem Gelände der früheren Grenzübergangsstelle Dreilinden. In der anderen Richtung führt der Stahnsdorfer Damm zum S-Bahnhof Wannsee zurück.

km 15,2

Die längere Route führt uns weiter auf dem Kremnitzufer am Teltowkanal entlang bis zu den Überresten des ehemaligen
Kontrollpunkts Dreilinden. Nach einem kurzen Abstecher über die alte Autobahnbrücke und die offensichtlich unverwüstlichen Markierungen der einstigen Fahrspuren geht es zurück zur Ruine der Raststätte. Wir überqueren die Asphaltstrecke und fahren geradeaus rund 100 Meter auf dem Waldweg, biegen dann scharf links ab und radeln parallel zur Lärmschutzwand der Autobahn A115 in Richtung Norden.

km 17,3

Wir erblicken linker Hand die Reste der Eisenbahnbrücke der mit dem Bau der Mauer eingestellten Friedhofsbahn, die sowohl Särge
mit Toten, als auch Trauergäste von Wannsee zum Friedhof in Stahnsdorf beförderte. Wir steigen vom Rad und laufen die kurze Strecke bis zum Teltowkanal. Auf dem Kanalauenweg geht es weiter bis zur Schleuse Kleinmachnow.
Von dort sind es auf dem ausgeschilderten Weg zwei Kilometer bis zum Südwestkirchhof.

Südwestkirchhof Stahnsdorf.
Südwestkirchhof Stahnsdorf.Foto: Thilo Rückeis

km 21,1

Der 206 Hektar große Südwestkirchhof Stahnsdorf gilt als zweitgrößte Anlage ihrer Art in Deutschland. Auf dem bewaldeten Gelände befinden sich die letzten Ruhestätten berühmter Persönlichkeiten wie Gustav Langenscheidt, Louis-Ferdinand Ullstein, Werner von Siemens und Heinrich Zille. Für den Rückweg nutzen wir den gleichen Weg und halten uns dann auf dem Stahnsdorfer Damm geradeaus bis zum Grenzübergang Dreilinden. Von hier aus geht es immer geradeaus bis Wannsee.

Weitere 23 Fahrradtouren finden Sie im neuen „Tagesspiegel Radfahren in Berlin und Brandenburg“.

Grafik: René Reinheckel / OpenStreetMap-Mitwirkende

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