Fahrradhelme : Umstrittener Kopfschutz

Nützlich ist er, aber gesetzlich vorgeschrieben nicht: der Helm für Radler. Manche lehnen ihn sogar aus prinzipiellen Gründen ab. Soll es eine Helmpflicht geben? Ein Pro & Contra.

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Tendenz zunehmend. Nach einer Studie tragen 23,5 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Radler einen Helm. -Foto: dpa

Kinder tragen ihn, und Rennradfahrer. Beim großen Rest der Radler sind Helme weiterhin umstritten. Viele tragen ihn aus Bequemlichkeit nicht, manche lehnen ihn aus prinzipiellen Gründen ab: „Dann fahren die Autofahrer noch rücksichtsloser.“ Doch die Zahl der Helmträger ist gestiegen – in der subjektiven Wahrnehmung während der vergangenen schönen Sonnentage, aber auch in der Statistik. Eine Studie für die Schweiz registrierte einen Anstieg der Helmträgerquote binnen zehn Jahren von 14 auf 38 Prozent. In Deutschland sind es weniger, aktuelle Zahlen gibt es jedoch nicht. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen von 2009 trugen 23,5 Prozent der 11- bis 17-Jährigen einen Helm.

Die Rechtslage ist klar: Eine Helmpflicht für Radfahrer gibt es in Deutschland nicht. Und das ist auch gut so, heißt es beim Fahrradclub ADFC. Eine Pflicht würde mehr schaden als nützen. Seit Jahren weist der Verband deshalb alle Forderungen nach einer Helmpflicht mit diesen Argumenten zurück: Eine solche sei weder durchzusetzen noch zu kontrollieren. Eine Helmpflicht würde aber die Fahrradnutzung drastisch senken und damit den Autoverkehr zunehmen lassen. Dies sei weder umwelt- noch gesundheitspolitisch zu verantworten. Die Unfallzahlen und die Unfallschwere sollten besser mit einer radfahrerfreundlichen Straßenplanung und schärferen Tempolimits für Autofahrer gesenkt werden.

Unbestritten ist dagegen der Nutzen von Helmen. „Das Tragen eines Fahrradhelms kann das Risiko einer schweren Kopfverletzung um mindestens 50 Prozent verringern“, urteilte Uli Schmucker von der Universitätsklinik Greifswald, ein bundesweit führender Unfallforscher. Auch Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin, zitiert diese Studie – und ist dennoch gegen die Helmpflicht. „Die Folgen eines solchen Verzichts wären katastrophal, denn Fahrradfahren verringert das Risiko chronischer Erkrankungen, hält jung und fit“, heißt es in einer Mitteilung des Unfallkrankenhauses. „Gesundheit und Wohlbefinden von Millionen Fahrradfahrern würden unter einer Helmpflicht leiden“. Ekkernkamp und auch der ADFC verweisen auf Erfahrungen aus dem Ausland, – zum Beispiel Australien –, wo nach Einführung der Helmpflicht die Zahl der Radfahrer drastisch zurückging.

Sinnvoller seien Aufklärung über den Nutzen eines guten Kopfschutzes bei Eltern und Lehrern, aber auch eine modischere Gestaltung. „Fahrradfahren und Helmtragen müssen zusammengehören“, sagt Ekkernkamp. Im Skisport habe sich ein Helm ja auch auf freiwilliger Basis durchgesetzt. Auch Polizeipräsident Dieter Glietsch appellierte beim letzten Schuljahresbeginn: „Verantwortungsbewusste Eltern sollten ihre Kinder nicht ohne Helm fahren lassen.“ Auch der Deutsche Verkehrsgerichtstag hat 2009 das Tragen eines Helmes nur „empfohlen“. Im Jahr 2001 hatte der Verkehrsgerichtstag eine Pflicht noch befürwortet. Da dieses Expertengremium traditionell entscheidende Bedeutung für die Politik hat, gilt eine gesetzliche Helmpflicht künftig als ausgeschlossen. 2008 hatte der Bundestag eine Helmpflicht abgelehnt, ebenfalls mit dem Argument, dass dann viele Menschen ins Auto umsteigen.

Da es keine gesetzliche Verpflichtung gibt, gilt bei Alltagsradlern ein Helmverzicht bei einem Unfall auch nicht als Mitverschulden. Nur Rennradfahrer können ein Problem mit der Versicherung bekommen. Beim Jedermann-Radrennen „Velothon“, das Ende Mai zum dritten Mal in Berlin stattfindet, ist ein Helm vorgeschrieben.

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