Berlin : FAHRRADKELLER

Armer Hund. Ein „Mehr Berlin“-Redakteur wird von der Ressortleiterin aufgefordert, etwas zu schreiben (Abb. ähnl.). Foto: dpa
Armer Hund. Ein „Mehr Berlin“-Redakteur wird von der Ressortleiterin aufgefordert, etwas zu schreiben (Abb. ähnl.). Foto: dpaFoto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ach, liebe Leserinnen und Leser, das Sommerloch setzt uns zu! Hitze – Gewitter – Hitze – Gewitter: Wer aus den Berliner Themenzutaten der letzten Wochen eine flotte Satire klöppeln will (und das wäre an dieser Stelle, im redaktionsintern so genannten „Witze-Keller“, eigentlich geboten), ist schon ein ganz armer Hund. Und jetzt hat auch noch jemand bei den Fahrrädern unten im Hof die Ventile rausgedreht, es ist wirklich die Pest! Und es ist Zeit – für einen offenen Brief an die Berliner Fahrraddemolierer und Fahrraddiebe!

Liebe Berliner Fahrraddemolierer,

liebe Berliner Fahrraddiebe,

dies aber sage ich euch, dass euer Tun jedes Maß an Niedertracht übersteigt und dass kein Dieb gemeiner sein könnte als ihr, die ihr den Menschen lähmt, wenn er grad losmuss, die ihr das verhindert, was immer einen guten Grund hat: den Ortswechsel. Und deshalb sollen eure Finger, die den fremden Rahmen berühren, zu Kot werden, und euer Hintern auf dem fremden Sattel soll eine offene Wunde sein und sich nie mehr schließen. Und euer Kopf, der zu Gedanken wie „Heute vergreife ich mich an jemand anderes wichtigstem Alltagsgegenstand“ fähig ist, soll heimgesucht werden von schwärenden Tumoren und schrecklichen Depressionen. Und wenn euer Kopf nicht zu solchen Gedanken fähig ist, sondern nur zu „Boah, krasses Bike!“ oder „Geil, kaputtmachen!“, dann sollt ihr gestraft sein mit Geigenunterricht und Fahrradhelmtragen und Stillsitzen nicht unter fünf Jahren nonstop. Und all eure Habe soll zu Staub zerfallen, und die Habe, die ihr euch widerrechtlich angeeignet habt, soll auffahren in den Himmel und landen bei ihren rechtmäßigen Besitzern, gerne noch versehen mit einer kleinen Aufmerksamkeit, als Entschädigung für all die nutzlosen Telefonate mit Hausverwaltungen, all die Online-Formulare der Polizei und gekündigten Hausratversicherungen. Und wenn ihr politisch motiviert seid, dann sollt ihr einen Tinnitus bekommen, aber nicht so ein klassisches Ohrgeräusch mit „Piiiep“, „Wroaaam“ und „Rausch“, sondern eine Stimme, die ununterbrochen auf euch einredet: „Fahrräder auf der Straße klauen oder demolieren ist nie Umverteilung. Denn siehe: Die mit den 5000-Euro-Rädern, die Snobs und Schnösel, hängen sie sich des Nachts an die unverputzte Wohnzimmerwand ihres Lofts. Ihr aber schadet den einfachen Werktätigen im Weinberg des Herrn!“ Und wenn ihr euch schlafen legt, soll die Stimme zu singen beginnen, ein Medley aus den nervtötenden Fahrradliedern von Queen und den Prinzen, und das Quietschen der alten Leezen, auf die wir wegen euch umsatteln müssen, soll euch verfolgen bis zum letzten Tag.

Mit freundlichem Gruß, etc...

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