Fahrradstadt Berlin : Radfahrer wollen Schilderwald ausdünnen

Während Senatorin Junge-Reyer einen Radler-Preis vergibt, wird ihre Verwaltung von Betroffenen mit Widersprüchen überzogen. Die Fahrradfahrer wollen sich aussuchen können, ob sie die Radwege benutzen oder lieber auf der Straße fahren.

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Radweg oder lieber auf der Fahrbahn? Berliner Fahrradfahrer wollen sich das selbst aussuchen können.
Radweg oder lieber auf der Fahrbahn? Berliner Fahrradfahrer wollen sich das selbst aussuchen können.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Am Montag will Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) zum vierten Mal die Auszeichnung „FahrradStadtBerlin“ für besondere Verdienste um den Radverkehr verleihen. Während die Senatorin zu diesem erfreulichen Termin einlädt, steht ihre Verwaltung unter dem Dauerbeschuss engagierter Radfahrer. Die werfen der Junge-Reyers Behörde angegliederten Verkehrslenkung Berlin (VLB) vor, eine höchstrichterliche Entscheidung zu ignorieren – und überziehen sie mit Widersprüchen gegen die blauen Schilder, die zur Benutzung des Radweges zwingen. Ohne diese Schilder dürfen Radler auch die Straße benutzen.

Ende November hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Radfahrer nur entlang ganz besonders gefährlicher Straßenabschnitte auf den Radweg gezwungen werden dürfen. Die Senatsverwaltung erklärte daraufhin, in Berlin sei der Schilderwald schon vor Jahren entsprechend gelichtet worden. Eine erneute stadtweite Überprüfung gäben die Ressourcen nicht her, heißt es in einem Schreiben der VLB an einen Radfahrer. Dessen Widersprüche gegen einzelne Schilder sind allerdings überwiegend erfolgreich. So kündigte die VLB an, dass mehr als 20 Radwegschilder entlang der konfliktträchtigen Bürgersteigradwege auf der Schönhauser Allee verschwinden sollen. Auch an der Skalitzer Straße in Kreuzberg sowie an der Potsdamer Straße zwischen Philharmonie und Landwehrkanal haben Radler künftig die Wahl zwischen Radweg und Straße.

Der Rechtsanwalt Andreas Volkmann, der ebenfalls die Beseitigung zahlreicher Schilder veranlasst hat, beklagt den großen Aufwand für die Bürger, wenn sie der Verwaltung wegen jedes Einzelfalles Beine machen müssen.

Die Radler-Lobbyisten begründen ihre Aktivitäten mit der Unfallstatistik. Der zufolge geschehen die meisten schweren Radlerunfälle auf Radwegen. Häufigste Einzelursache sind Kollisionen geradeaus fahrender Radler mit Rechtsabbiegern.

Drei davon endeten 2010 tödlich. Daran erinnern weiße „Geisterräder“, die der Radlerclub ADFC als Mahnung aufstellen ließ. Für diese Idee wird Initiator Torsten Schmidt am Montag ausgezeichnet. Weitere Preise gehen an Axel von Blomberg und Ulrich Gries als „Pioniere des Fahrradtourismus“ sowie das Büro König und Heunisch, das den Aalemannsteg an der Havel geplant hat.

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