Fahrzeug-Kolonnen in Berlin : Zum Staatsbesuch werden die Straßen leergefegt

Staatsbesuch ist Alltag in Berlin. Doch die Länge der Fahrzeug-Kolonnen, die auf leergefegten Straßen durch die Hauptstadt rollen, lässt sich ohne Geheimdienst-Wissen kaum noch erklären. Warum nur?

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Hier ehrt zwar eine Keil-Formation den Ehrengast, aber diew Gesamtkolonne ist eher mickerig. Wenn Staatsoberhäupter mit Kilometer-Konvois durch Berlin rollen, sieht das imposanter aus, und bei den Verkehrsteilnehmern bleibt kein Auge trocken.
Hier ehrt zwar eine Keil-Formation den Ehrengast, aber diew Gesamtkolonne ist eher mickerig. Wenn Staatsoberhäupter mit...

Diese Stille vor dem Konvoi am zentralen Ort, wo sonst, naja, der Bär tobt, zwischen Potsdamer Platz und Philharmonie, diese geisterhafte Abwesenheit des urbanen Grundrauschens macht Thrillerexperten nervös. Alles steht. Gestoppter BVG-Bus in der Seitenstraße. Kein Fähnchenwedler am Bordstein. Alles leer. Ein Passantenpaar, sie mit Kopftuch, jawoll, späht neugierig zur Fahrbahn, wie der Hausmeister an der Bibliothek. Windstoß um Hausecken. Der Plot hält den Atem an. Nichts passiert.

Staatsbesuch mit Eskort-Service

Dann rollen Krafträder, grüne Wannen. Schwarze Limousinen, klein und größer. Vorbei. Der Motorradkeil, 15 Maschinen! Wieder Limousinen. Nun die Dicksten mit Fähnlein. Nochmal Kleinere. Eine Stretchlimo, oha. Polizeinachhut. Ein Kilometer in summa, gefühlt. Turbo-Vips in Berlin sind keine Sensation, aber: Die Konvois werden immer länger, oder?

Konvoi und Eskorte heißt: stilles Geleit. Den allerhöchsten Eskort-Service, 15 Krad in Keilformation, kriegen freilich lediglich Könige und Präsidenten. Arbeitsbesuchen unter Ministern spendiert das Protokoll gerade noch drei Ehren-Hobel. Die leise Kolonne dient nun mal, im Gegensatz zum hupenden Korso, nicht nur der Show, sondern der Staatssicherheit.

Auch die DDR hatte Staatskolonnen

Deshalb wurde einst Honeckers Silber-Citroen gedoppelt eingesetzt, zur Attentats-Vereitlung. Auch die DDR hatte ja Staatskolonnen: Deren Imposanz errechnet sich selbst in der BRD keineswegs aus Territoriums-Größen, sondern aus Bedeutung mal Gefährdung geteilt durch Sicherheit und geheime BKA-Quotienten. Auf Extrafahrspuren für die Chefs - wie vormals in Moskau oder potemkische Protokollstrecken nach Wandlitz mit getunten Fassaden - sind ungelenkte Demokratien übrigens weniger angewiesen.

Dafür kommt bei ihnen mitunter das Ende des Endloskonvois bis zum Ablauf einer Wahlperiode kaum in Sicht; und wer sich hinter welchem Dunkelfenster oder behelmt auf welchem Krad verbirgt, Rivlin, Merkel, Jauch, das wissen nur sehr Wenige. Geheim bleibt geheim: Irgendwo in diesen gepanzerten Vehikeln, wo sonst, befinden sich vermutlich auch jene mysteriösen, einem Harry-Potter-Cast entsprungenen Monster, nach denen das ganze Land sucht: die Selektoren.

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