Fall für den Innenausschuss : Henkel entsetzt über Verrat der Rocker-Razzia

Mitglieder der Rockervereinigung Hells Angels waren offenbar vor dem drohenden Verbot und einer Großrazzia gewarnt worden - und das nicht zum ersten Mal. Zweifel an der Wirksamkeit eines Verbots kommen auf.

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Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte die Berliner Polizei mehrere Quartiere der Bandidos durchsucht. Dabei wurden schwere Waffen sicher gestellt, zum Beispiel dieses Sturmgewehr.Weitere Bilder anzeigen
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16.06.2012 17:41Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte...

Mit großer Spannung erwarten die Innenpolitiker aller Fraktionen den kommenden Montag: Dann soll es im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses ausführlich um die Verbotsverfügung gegen die Hells Angels gehen, die Innensenator Frank Henkel (CDU) am Mittwoch ausgesprochen hat – und um die Polizei-Pannen bei der Durchsetzung des Verbots. Mitglieder der Hells Angels waren offenbar gewarnt worden – Henkel erklärte am Mittwoch, er sei „entsetzt“ über entsprechende Hinweise. Er habe Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers aufgefordert, „die Umstände der Einsatzplanung und – durchführung genau zu prüfen und Konsequenzen zu ziehen“.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Rocker von Polizisten vor einer Razzia gewarnt worden sind. Im März stand ein Polizeiobermeister wegen entsprechender Vorwürfe vor Gericht. 2008 war eine Razzia gegen eine Berliner Vereinigung der „Bandidos“ geplatzt, nachdem diese gewarnt worden waren.

Die innenpolitischen Fachleute der Fraktionen sind nach diesen Erfahren deshalb parteiübergreifend vorsichtig mit der Bewertung des Vorgangs. So sagte zum Beispiel der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Thomas Kleineidam, er sehe sich nicht in der Lage, den Vorgang zu bewerten, „ehe ich Ermittlungsergebnisse habe“.

Noch weniger wollte Kleineidam über die politische Wirkung des mutmaßlichen Verrats der Polizeiaktion spekulieren – etwa auf das Ansehen der Polizeivizepräsidentin. Koppers hat sich, wie andere auch, um das Amt des Polizeipräsidenten beworben – die Ausschreibung läuft. Er habe „keinen Anlass, darüber nachzudenken“, ob die Panne vom Mittwoch Koppers schade, sagte Kleineindam.

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